Sollen Tabakkonzerne für die Kippenentsorgung bezahlen?

Gepostet am 18.12.2018 um 17:10 Uhr

Umweltministerin Schulze will, dass die Tabakindustrie sich an den Kosten für Reinigungsarbeiten wegen weggeworfener Zigaretten beteiligt. Ist das ein guter Vorschlag? Ein Pro & Contra von Alfred Schmit und Uwe Lueb.

Pro von Alfred Schmit:
Ich finde es sinnvoll, die Tabakindustrie an den Kosten zu beteiligen, die bei der Entsorgung von Zigarettenkippen entstehen. Die Plastikfilter sind im Grunde Sondermüll. Ob die Kippen nun im Aschenbecher oder auf der Straße landen – in jedem Fall ist die Entsorgung bis jetzt ein Kostenfaktor für Städte und Kommunen. Eigentlich ist es nicht einzusehen, dass die auf DIESEN Kosten sitzen bleiben. Zigaretten sind zwar mit hohen Steuern belegt. Und das finde ich auch gut so. Aber diejenigen, die sich um den Zigarettenmüll kümmern müssen, haben nichts von diesen Steuern. Denn die fließen in die Bundeskasse. Wenn Bundesumweltministerin Schulze jetzt die Idee äußert, dass die Industrie hier mit bezahlen soll, finde ich das gut. Und ihre Idee ist auch mutiger als das, was ihr Ministerium bis jetzt an die Auto-Industrie herangetragen hat. Die wird meinem Eindruck nach auch zu wenig an den Folgekosten ihrer Produkte beteiligt. Stichwort Diesel-Betrug. Ich finde, hier zeigt sich generell eine ungute Entwicklung: Nämlich dass eine Firma die Schadstoffe ihrer Produkte abwälzen kann auf die Allgemeinheit. Wenn die Politik das zulässt. Das sollte sie nicht. Und deshalb fände ich es gut, wenn Industrien mitbezahlen müssten bei der Entsorgung.

Contra von Uwe Lueb:
Das wäre die Wiedergeburt für den Marlboro-Werbemann – als Reinigungskraft für Parks und Strände. Nicht ganz so konkret, aber so ähnlich stellt sich das Bundesumweltministerin Schulze von der SPD vor: Wer Wegwerfprodukte herstellt, soll für den Müll wenigstens mitverantwortlich sein – also eine Art Vorwegmüllgebühr entrichten. Das könnte man ausweiten – auf Autos, Ölraffinerien, die Möbelindustrie, Eishersteller, nicht zu vergessen die Textilindustrie und so weiter. So ziemlich alles wird nämlich früher oder später weggeworfen. Damit steht die Frage im Raum: Wo fängt man an – wo hört man auf, Hersteller in die Haftung zu nehmen? Zurück zu den Zigarettenherstellern: nicht die Tabakindustrie wirft Kippen in Parks und an Strände. Es sind die Menschen, die sich die Zigaretten gekauft haben. Sie allein sind für die Vermüllung ihrer Umwelt verantwortlich. Wer sich dessen bewusst ist, wirft Zigarettenkippen in den Restmüll. Da gehören sie hin. Und für dessen Entsorgung zahlen die Verbraucher schon genug.

Zuletzt aktualisiert: 24.10.2019, 04:19:39