36.000 Stellen in der Pflege unbesetzt

Gepostet am 25.04.2018 um 08:02 Uhr

Union und SPD versprechen im Koalitionsvertrag ein Sofortprogramm mit 8000 zusätzlichen Stellen in der Pflege. Neue Zahlen zeigen jedoch, dass das viel zu wenig ist. Das kritisieren die Grünen. Von Tamara Anthony.

Union und SPD versprechen im Koalitionsvertrag ein Sofortprogramm mit 8000 zusätzlichen Stellen in der Pflege. Neue Zahlen zeigen jedoch, dass das viel zu wenig ist. Das kritisieren die Grünen.

Von Tamara Anthony, ARD-Hauptstadtstudio

Viele kennen es aus eigener Erfahrung, andere aus Erzählungen: Die Personaldecke in der Pflege ist dünn. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD deshalb ein Sofortprogramm mit 8000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich vereinbart. Nun legte die Bundesregierung Zahlen vor, die zeigen, wie dramatisch die Situation in der Pflege ist – es fehlt schlicht überall in Deutschland das Personal.

Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich 36.000 Stellen in der Pflege nicht besetzt, schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf die Anfrage der Grünenfraktion. Besonders in der – schlechter bezahlten – Altenpflege bleiben die Stellen unbesetzt. Rund 15.000 Fachkräfte und 8500 Helfer fehlen in der Altenpflege. In der Krankenpflege gab es 11.000 offene Fachkräftestellen und 1500 unbesetzte Helfer-Jobs.

Das Ministerium beruft sich bei seinen Angaben auf die Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

Offene Stellen werden oft gar nicht gemeldet

Die tatsächlichen Zahlen könnten sogar weit höher liegen. Eine repräsentative Studie des Deutschen Pflege-Thermometers 2018 hatte gerade ergeben, dass rund 30 Prozent der befragten Heimleiter offene Stellen nicht an die Arbeitsagentur melden, vor allem weil die Chance, darüber Bewerber zu finden, gering sei.

Tatsächlich belegt die Antwort der Bundesregierung, wie schwierig die Aussichten sind, eine arbeitssuchende Pflegekraft zu finden. Der Markt ist quasi leer gefegt. In der Altenpflege kommen auf hundert offene Stellen nur 21 Arbeitssuchende. In der Krankenpflege sind es immerhin 41 Arbeitssuchende. Besonders betroffen sind die ländlichen Regionen.

Bei der Altenpflege bilden Sachsen und Rheinland-Pfalz das Schlusslicht. Hier kommen auf hundert offene Stellen 13 Arbeitssuchende. In Berlin ist die Situation noch am besten – mit immerhin 43 arbeitssuchenden Altenpflegekräfte auf hundert ausgeschriebene Stellen.

Kritik von den Grünen

Vor diesem Hintergrund fordert Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt bessere Bedingungen für Pflegekräfte, damit sich überhaupt mehr für diesen Job entscheiden. „Die kleinteiligen Maßnahmen der Großen Koalition in den letzten Jahren bleiben wirkungslos, der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist wie leergefegt“, sagt sie.

Göring-Eckardt wirft der Bundesregierung vor, keinen Plan zu haben, wie sie künftig gegen den Pflegenotstand vorgehen will. Zudem seien die verabredeten 8000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich „nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“.

Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, insgesamt 50.000 zusätzliche Pflegekräfte zu rekrutieren – je hälftig für Altenpflege und Krankenpflege. Dafür solle der erst in der vergangenen Legislatur eingeführte Pflegevorsorgefonds aufgelöst werden. Eigentlich soll der Fonds höhere Ausgaben abfedern für die Zeit, wenn die Baby-Boomer in den kommenden Jahren pflegebedürftig werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte in der vergangenen Woche angekündigt, noch vor der Sommerpause das Sofortprogramm Pflege als Gesetzentwurf in den Bundestag einzubringen.

Zuletzt aktualisiert: 20.08.2019, 02:47:26