Rückkehr nach 33 Jahren Haft

Gepostet am 17.12.2019 um 01:18 Uhr

„Ich bin kein Mörder“, hat Jens Söring immer wieder gesagt. 33 Jahre lang saß er in den USA in Haft – heute kommt er zurück nach Deutschland. Es ist das zumindest vorläufige Ende eines spektakulären Kriminalfalls. Von Katrin Brand.

„Ich bin kein Mörder“, hat Jens Söring immer wieder gesagt. 33 Jahre lang saß er in den USA in Haft – heute kommt er zurück nach Deutschland. Es ist das zumindest vorläufige Ende eines spektakulären Kriminalfalls.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Am Ende könnte das Geld den Ausschlag gegeben haben. Am 25. November entschied der zuständige Bewährungsausschuss in Virgina, Jens Söring und Elisabeth Haysom freizulassen. Das Gremium stellte unmissverständlich klar, dass beide „fürchterliche Verbrechen“ begangen hätten. Doch beide seien damals sehr jung gewesen und hätten nun mehr als 30 Jahre lang ihre Strafe verbüßt. Wenn sie nun freigelassen und abgeschoben würden, sei das eine enorme Entlastung für die Steuerzahler in Virginia, hieß es in der Begründung.

Ein pragmatisches, vorläufiges Ende eines spektakulären Kriminalfalls. 1985 waren Derek und Nancy Haysom in ihrem Haus von Lynchburg, Virginia, brutal erstochen worden. In Verdacht gerieten bald Tochter Elisabeth und ihr Freund Jens Söring, ein Diplomatensohn aus Deutschland. Die beiden hatten sich an der Universität von Virginia kennengelernt, eine College-Liebe. Söring und Haysom flohen nach London, wo sie dann aber Monate später gefasst und in die USA ausgeliefert wurden. Söring gestand den Mord und wurde zu zweimal lebenslänglich verurteilt, Elisabeth Haysom wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Haft.

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Aussage geändert

Doch Söring änderte bald darauf seine Aussage: Seine Freundin habe ihre Eltern umgebracht und ihn dann überredet zu gestehen, er habe sie schützen wollen. Und es gab Ermittler, die ihm glaubten. Chip Harding etwa, ein County Sheriff, verweist auf Spuren, die damals noch nicht ausgewertet werden konnten. Es gebe DNA am Tatort, die von zwei unbekannten Männern stamme, nicht aber von Söring, sagte Harding im November einem Lokalsender in Virginia.  

Andere bleiben dabei, Ricky Gardner etwa, damals Ermittler in Bedford County. „Der gesunde Menschenverstand sagte, dass es nur zwei Menschen gab, die vom Tod der Eltern einen Nutzen hatten: Elisabeth Haysom und Jens Söring“, erklärte er kürzlich einer örtlichen Fernsehstation. Niemand sonst hätte das Motiv, die Gelegenheit und die Möglichkeit gehabt, die Haysoms zu töten.

Und auch Ben Cline, der örtliche Abgeordnete von den Republikanern, war entsetzt über die Freilassung. Die Auswirkung der beiden Morde seien bis heute in der Gemeinde zu spüren, sagte er im November. Die Entscheidung basiere nicht auf der Reue der Mörder, sie sei eine Beleidigung für die Familie der Opfer und für den Rechtsstaat.

Bundesregierung arbeitete an Freilassung

In Deutschland allerdings fand Söring offene Ohren. Der Dokumentarfilm „Das Versprechen“ griff seinen Fall auf. Und auch seitens der Bundesregierung wurde an seiner Freilassung gearbeitet. Vor allem die deutsche Botschaft in Washington zog im Hintergrund die Fäden. Peter Beyer, der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, war unter anderem diesen Sommer in Virginia und sprach im Gefängnis mit Söring. Beyer hatte einen „guten Eindruck“ von dem Häftling, der inzwischen 53 Jahre alt ist: „Er war geistig absolut auf der Höhe, auch intellektuell.“

Söring selbst hatte allerdings in Interviews immer wieder von der Schwierigkeit gesprochen, mit der Hoffnungslosigkeit fertig zu werden. 14 Mal bat er beim Bewährungsausschuss in Virginia um seine Entlassung, auch mit Verweis auf die neuen Erkenntnisse, doch vergeblich.

Die letzten Wochen hat Söring in Abschiebehaft verbracht. Von dort aus ging es nun in den Linienflug nach Frankfurt. Seine frühere Freundin Elisabeth wird nach Kanada abgeschoben.

Zuletzt aktualisiert: 26.10.2020, 13:59:00