Selbstfahrende Autos: Zukunft? Nein, Gegenwart!

Gepostet am 20.06.2017 um 15:53 Uhr

Die Leitplanken, die die Ethikkommission für das automatisierte Fahren gesetzt hat, waren längst überfällig. Nun muss es zügig Gesetze geben. Denn die Technik ist bereits soweit, meint Axel Finkenwirth.

Der Fahrer muss nur noch das Ziel angeben: Autos, die selbstständig fahren – dieser Traum oder Albtraum vom selbstfahrenden Auto wird schneller in Erfüllung gehen, als wir uns das vorstellen. Schon jetzt können einige Hersteller – zumindest auf der Autobahn – ihre Autos selbstständig fahren lassen. Tesla kann das und auch die deutschen Hersteller erzielen auf dem digitalen Testfeld A9 erstaunliche Erfolge.

Aber wann kann das in Serienreife gehen? Sicher ist: Die Zahl der Unfälle wird mit den Selbstfahrern deutlich zurück gehen. Trunkenheitsfahrten, überhöhte Geschwindigkeiten, Fahrradfahrer im toten Winkel übersehen – die Technik wird in der Lage sein, diese menschlichen Schwächen auszugleichen.

Nur noch mit Sondererlaubnis

Die Kanzlerin brachte es unlängst auf ihrer Reise in Argentinien vor Studenten auf den Punkt: „Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.” Der Mensch sei das größte Risiko beim Fahren, so die Bundeskanzlerin. Daher sei es in Zukunft sicherer, wenn die Technik das Steuer übernimmt.

Noch sind aber rechtliche und ethische Fragen nicht geklärt. Wer zahlt bei einem Schaden, wenn der Fahrer nicht selbst gefahren ist? Wen gefährdet das Auto im Zweifel, den eigenen Insassen oder andere Verkehrsteilnehmer?

“Die weltweit ersten Richtlinien”

Im Auftrag von Verkehrsminister Dobrindt hat eine Ethikkommission Rahmenbedingungen erarbeitet,  aus denen die gesetzlichen Regeln entstehen könnten. Prof. Udo Di Fabio und seine Kommission haben „die weltweit ersten Leitlinien für automatisiertes Fahren entwickelt“, so Alexander Dobrindt. Die wichtigsten Punkte der insgesamt 20 Thesen sind:

• Das automatisierte und vernetzte Fahren ist ethisch geboten, wenn die Systeme weniger Unfälle verursachen als menschliche Fahrer (positive Risikobilanz).

• Sachschaden geht vor Personenschaden: In Gefahrensituationen hat der Schutz menschlichen Lebens immer höchste Priorität.

• Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung von Menschen nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) unzulässig.

• In jeder Fahrsituation muss klar geregelt und erkennbar sein, wer für die Fahraufgabe zuständig ist: Der Mensch oder der Computer.

• Wer fährt, muss dokumentiert und gespeichert werden (u.a. zur Klärung möglicher Haftungsfragen).

• Der Fahrer muss grundsätzlich selbst über Weitergabe und Verwendung seiner Fahrzeugdaten entscheiden können (Datensouveränität).

Diese Leitplanken, die die Ethikkommission gesetzt hat, waren längst überfällig. Nun muss es zügig weitere Gesetze geben, die diese Vorgaben berücksichtigen. Die Technik ist soweit – es wird Zeit, dass der Gesetzgeber volle Rechtssicherheit für die Fahrer der Selbstfahrer schafft.

Zuletzt aktualisiert: 23.09.2018, 06:52:32