Wie Laubbäume den Wald retten sollen

Gepostet am 09.07.2019 um 13:15 Uhr

Die Folgen des Klimawandels wirken sich auf heimische Wälder aus. Die Waldbrandgefahr steigt. Als Reaktion darauf steigern Förster den Anteil der Laubbäume. Das hat mehrere Gründe. Von Alex Krämer.

Die Folgen des Klimawandels wirken sich auf heimische Wälder aus. Die Waldbrandgefahr steigt. Als Reaktion darauf steigern Förster den Anteil der Laubbäume. Das hat mehrere Gründe.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Waldbrand in Mecklenburg, Waldbrand in Brandenburg – Meldungen wie diese gehören wegen der Trockenheit mittlerweile zum Sommer. Je weniger es regnet, desto häufiger brennt es. Aber: Wald ist nicht gleich Wald, je nachdem ist das Risiko von Waldbränden größer oder kleiner. Diese Zusammensetzung können die Förster steuern. Bundesumweltministerin Svenja Schulze, zurzeit auf Sommerreise, hat sich in Brandenburg angeschaut, wie das funktioniert.

So war Schulze in der Rochauer Heide bei Luckau unterwegs. In dem Landesforst stehen hundert Jahre alte Kiefern. Doch auch Laubbäume, Birken, Vogelbeeren, vor allem aber Eichen finden sich in dem Wald.

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Eichelhäher unterstützt die Förster

Vor zehn Jahren gab es hier noch gar keine Laubbäume, sagte Oberförster Jörg Dunger. Aber gepflanzt haben er uns seine Leute nichts. Viel mehr hatte der Förster tierische Unterstützung durch Singvögel: „Das war alles der Eichelhäher hier. Er verbreitet die Eicheln über bis zu vier Kilometer“, erklärte Dunger.

Für den Förster steht fest: Der Vogel hat den Wald umgebaut – die Förster haben ein bisschen mit geholfen. Die wichtigsten Werkzeuge dabei: Motorsägen, damit genug Licht für die jungen Triebe in den Wald hineinkommt. Und das Gewehr, damit Hirsche und Rehe nicht überhand nehmen. Denn zu viel Wild würde die jungen Eichenbäume abknabbern.

Laubwald brennt schlechter

Michael Duhr vom Landesforstbetrieb Brandenburg gefiel, was er bei der Waldbesichtigung in Brandenburg sah. „Keine jungen Kiefern, die leicht brennen. Sondern junge Eichen, junge Birken, die brennen viel, viel schlechter“, sagte Duhr. Die Kombination des Waldbestandes sei ideal, um das Risiko von Waldbrand zu minimieren.

Laubwald brennt schlechter als die in Deutschland häufigen Kiefern oder Fichten. Wenn die Förster auf den Eichelhäher plus verstärkte Jagd setzen, kostet das weniger und geht schneller, als wenn junge Bäume neu gepflanzt und Zäune aufgestellt werden.

Langsamer Umbau

Für die Bundesumweltministerin war die Lausitz deshalb eine ideale Station für die Sommerreise. Sie wollte nach eigener Aussage unbedingt zeigen, dass auch die Wälder an die Klimaveränderungen angepasst werden müssen. „Wir sehen im Moment, dass es mehr Stürme gibt, mehr Starkregen, dass es zu Waldbränden kommt“, sagte sie. Deshalb müsse man darüber reden, wie das verändert wird.

In Brandenburg ist das Waldbrand-Risiko wegen der sandigen Böden und des wenigen Regens so hoch wie in Spanien. Brandenburg baut seinen Wald bereits seit längerem um. Allerdings nur sehr langsam. Noch immer liegt der Anteil der Kiefern bei fast 80 Prozent. Doch nicht nur wegen der Waldbrandgefahr ist das ein Problem. 

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Kaum neues Grundwasser unter Nadelwald

Denn unter Nadelwald bildet sich kaum neues Grundwasser, erklärt Karsten Linke vom Landesumweltamt. „Ein Laubbaum funktioniert ein Stück weit anders. Er sammelt auch mit den Blättern, mit den Ästen Wasser ein und ist in der Lage, in Wasserüberschuss-Zeiten Wasser an den Boden abzugeben.“

Das ist wichtig, wenn es infolge des Klimawandels insgesamt trockener wird. In Teilen der Lausitz dürfen die Leute ihre Gärten zurzeit nur nachts bewässern , denn das Grundwasser steht vielerorts bereits so tief wie noch nie.

Sommerreise Schulze: Eichen statt Kiefern – wie Wald feuersicherer wird
Alex Krämer, ARD Berlin
11:11:00 Uhr, 09.07.2019

Zuletzt aktualisiert: 17.07.2019, 10:29:43