Für die SPD wird’s leichter und schwieriger

Gepostet am 24.11.2016 um 14:12 Uhr

Die Entscheidung von Martin Schulz, in die Bundespolitik zu wechseln, ist bei der SPD auf Zustimmung gestoßen. Trotzdem wollen sich die Genossen nicht drängen lassen, wen sie denn nun als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken. Von Sabine Müller.

Die Entscheidung von Martin Schulz, in die Bundespolitik zu wechseln, ist bei der SPD auf Zustimmung gestoßen. Trotzdem wollen sich die Genossen nicht drängen lassen, wen sie denn nun als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

So richtig überrascht hat es in Berlin vermutlich niemanden, dass Martin Schulz in die Bundespolitik wechseln will. Nicht nur in der SPD wurde sehr genau beobachtet, wie es um seine Bemühungen stand, EU-Parlamentspräsident zu bleiben. Und viele hier hatten die Einschätzung: Schulz muss sich schnell erklären, er kann nicht bis zum Ende seiner Amtszeit Mitte Januar um seinen EU-Posten zocken und sich nur für Berlin entscheiden, falls er verliert. Das hätte dann doch sehr nach Trostpflaster ausgesehen, und als Verlierer des Brüsseler Machtpokers hätte Schulz wohl keine überzeugende Figur abgegeben – weder als potenzieller Außenminister noch als pozentieller Kanzlerkandidat.

Wartet die SPD wirklich bis Ende Januar?

Deshalb gib es in der SPD eine gewisse Erleichterung über die Entscheidung. “Gut so!” twittert zum Beispiel der Vorsitzende des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs.

Gleichzeitig macht die Ankündigung es für die SPD auch kompliziert, denn offiziell gilt ja immer noch dieser Zeitplan, den Fraktionschef Thomas Oppermann und Generalsekretärin Katarina Barley am Montag bekräftigten: “Über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden wir Ende Januar, in der zweiten Januarhälfte”, erklärte Oppermann. Und Barley sagte: “Unseren eigenen Kanzlerkandidaten werden wir, wie bereits angekündigt, Anfang nächsten Jahres benennen, zur Klausur Ende Januar.”

Dass Schulz Brüssel den Rücken kehren und sich um ein Bundestagsmandat bewerben will, facht die Spekulationen an, welche Rolle genau er in Zukunft in der Bundespolitik spielen will und spielen darf.

Als Nachfolger für Außenminister Frank-Walter Steinmeier scheint er erste Wahl zu sein – sein Name ist praktisch der einzige, der genannt wird, und niemand bestreitet, dass Schulz für das Amt hochqualifiziert wäre. Nicht umsonst trägt der Mann aus der nordrhein-westfälischen Provinz den Spitznamen “Der Kissinger von Würselen”.

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Einschätzung

“Berlin meint: Der kann Außenminister”

Berlin meint – Schulz könne ein guter Außenminister werden, sagt Sabine Rau. | mehr

SPD will keine “Sturzgeburt”-Entscheidung

Und was ist mit der Kanzlerkandidatur? Die Frage scheint schwieriger. Manche in Berlin sind felsenfest davon überzeugt, dass Sigmar Gabriel längst entschieden hat, dass er es selbst macht. Andere glauben, dass der SPD-Chef noch schwankt und fragen, ob es bei der Entscheidungsfindung wohl auch eine Rolle spielt, dass Gabriel, wie vorgestern bekannt wurde, im Frühjahr nochmal Vater wird?

Parteivize Ralf Stegner twitterte heute Morgen auf die Frage, ob Schulz jetzt Außenminister und Kanzlerkandidat werde, nur: “Der Vorhang senkt sich und alle Fragen offen”. Klar ist eins: Die SPD will keine Hektik, sie will ihre Entscheidungen treffen “ohne Sturzgeburten zu veranstalten”. Ob dieses Versprechen von Parteivize Stegner allerdings Bestand hat, nachdem sich Schulz erklärt hat, wird man sehen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. November 2016 um 10:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 17.12.2017, 14:55:44