Ein Demonstrant bei der Hanfparade in Berlin. Quelle: Imago/IPON/Stefan Boness

„Schluss mit der Legalisierungsdebatte“ – fordert die Drogenbeauftragte

Gepostet am 18.08.2017 um 17:58 Uhr

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis. Aus der Opposition kommt Kritik an ihrer Bilanz. Ein Bericht von Annette Rehn.

Selbst in die Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts hat sich der Wahlkampf eingeschlichen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) hat vor einer Verharmlosung von Cannabis gewarnt. Dabei spart sie nicht mit Kritik an Parteien, die eine Legalisierung der Droge fordern oder ihr zumindest offen gegenüberstehen.

Cannabis sei kein harmloses Genussmittel, sagt Mortel
Mortler sagt: Cannabis sei kein harmloses Genussmittel. Der Wirkstoffgehalt liege heute etwa vier Mal höher als vor 20 Jahren. Die Hochrisikogruppe seien Jugendliche und Heranwachsende, die regelmäßig Cannabis konsumieren. Die Zahl dieser jungen Menschen steige wieder an. Zur Prävention des Cannabiskonsums fordert Mortler, dass der Bund in den kommenden Jahren mindestens 500.000 Euro im Jahr zur Verfügung stellt.

Besonderer Schwerpunkt des Drogen- und Suchtberichts liegt in diesem Jahr auf Kindern aus suchtbelasteten Familien. Die etwa drei Millionen betroffenen Minderjährigen müssten stärker unterstützt werden. Positiv habe sich der Tabak- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen entwickelt. In den vergangenen 15 Jahren sei er um zwei Drittel beziehungsweise um die Hälfte zurückgegangen.

Kritik an der Drogenbeauftragten aus der Opposition
Harsche Kritik an der Drogenbeauftragten kommt von den Linken. Ihr drogenpolitischer Sprecher Frank Tempel nennt die Bilanz „enttäuschend“. Seit Mortlers Amtsantritt sei die Zahl der Toten durch illegale Drogen um 30 Prozent gestiegen. Die Neuregelung zum medizinischen Cannabis habe sich als „Rohrkrepierer“ erwiesen. Jeder zweite Patient bekomme keine Kostenerstattung. Seit März dieses Jahres können Ärzte in Deutschland per Bundesgesetz ihren Patienten Cannabis zur Behandlung verschreiben.

Im aktuellen Bundestagswahlkampf setzen sich die Grünen für ein Cannabiskontrollgesetz ein. Danach soll der Verkauf von Cannabis unter strenger Wahrung des Jugendschutzes erlaubt sein. An der so genannten Hanfparade vor etwa einer Woche in Berlin beteiligte sich nicht nur die Jugendorganisation der Grünen, sondern auch die der FDP sowie die Bundestagsfraktion der Linken. Insgesamt gingen etwa 2.000 Menschen auf die Straße, um für eine Freigabe von Cannabis zu demonstrieren.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler sagt zum Drogen- und Suchtbericht:


Autorin: Annette Rehn

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2019, 00:13:58