Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Sahra Wagenknecht erklärt die Gründe für ihren Rückzug. Foto: imago/photothek

Sahra Wagenknecht wird eine Lücke hinterlassen

Gepostet am 12.03.2019 um 15:34 Uhr

Die Spitze der Linkspartei sollte über ihre internen Querelen nachdenken. Eine Politik die krank macht, passt so gar nicht zu ihren Wahlkampf-Slogans. Ein Kommentar zu Sahra Wagenknechts Rückzug von Frank Aischmann.

Das ist wieder mal so ein Stopp-Zeichen, das nicht richtig ernst genommen wird: Eine Spitzenpolitikerin meldet sich nach zwei Monaten Zwangspause zurück, nach langer Krankheit, ausgelöst durch Stress und Überlastung. Das habe ihr Grenzen aufgezeigt, die sie künftig nicht überschreiten wolle. Sahra Wagenknecht also zieht sich zurück, am Wochenende aus der lahmenden Sammlungsbewegung „Aufstehen“, gestern verzichtete sie auf eine künftige Kandidatur als Fraktionschefin im Bundestag.

Hat die Linke nun ein Riesenproblem – oder im Gegenteil endlich Ruhe an der innerparteilichen Meinungsfront?

Kurzfristig wird sich wenig ändern, die Wahl in der Fraktion ist erst im Herbst fällig. Und ob Europa oder die wichtigen Landtagswahlen im Osten – die mit Abstand populärste Politikerin ihrer Partei will durchs Land touren, keine Wahlkampfauftritte absagen. Und Abgeordnete bleibt sie ohnehin. Auch in den Talkshows werden wir sie wieder sehen.

Aber schon der Europaparteitag von Bonn zeigte, welche Lücke Wagenknechts Rückzug für die Partei bedeuten könnte. Da fehlte die streitbare, polarisierende Persönlichkeit, die breites Medienecho garantiert. Sicher, zwei Europa-Spitzenkandidaten wurden nominiert, aber ganz ehrlich, haben Sie deren Namen noch abrufbar? So wichtig eine selbstbewusste Parteibasis ist, die besonderen, zuweilen charismatischen, jedenfalls eigenständigen Köpfe sind einfach unverzichtbar.

Wenn Politik schon krank macht, sollte die Parteispitze dringend innehalten

Sicher, ihre Prominenz, ihre Sonderrolle hat Sahra Wagenknecht bestens genutzt: Ob in der Flüchtlingspolitik, beim Umgang mit Wählern, die zur AfD abgewandert sind, überhaupt in der Frage, welche Wählerschichten es anzusprechen gilt – stand Wagenknecht auf der einen und die Linken-Parteichefs Kipping und Riexinger auf der anderen Seite. Die drei hatten und haben da höchst kontroverse Positionen und – meist hinter den Kulissen – heftige Kämpfe gegeneinander ausgefochten, das war quälend, für die Partei teilweise lähmend.

Und das meine ich mit dem Stoppzeichen, das vermutlich nicht richtig ernst genommen wird: Statt über Szenarien, Machtkonstellationen oder konkret die Wagenknecht-Nachfolge nachzudenken, sollte das Spitzenpersonal der Linken innehalten. Und sich fragen, wieso sie das Gute in der Welt fordern, in die Wahlkämpfe mit dem Slogan ziehen „Die Linke erkämpft das Menschenrecht“ – aber intern mit derart harten Bandagen kämpft, dass Politik ganz offensichtlich richtig krank machen kann.

Und darum- zum Abschluss völlig unpolitisch: Gute Besserung, Sahra Wagenknecht.

Zuletzt aktualisiert: 21.05.2019, 23:36:21