Richard Grenell – “Trumps Pitbull” sorgt in Deutschland für Irritationen

Gepostet am 10.08.2018 um 11:29 Uhr

Der US-Botschafter und Trump-Vertraute provoziert gerne und erfolgreich. Die deutsche Politik zeigt sich empört – schaut aber gleichzeitig fasziniert auf den schillernden Neuling, wie Sabine Müller beobachtet hat.

Als Richard Grenell am 3. Mai als Botschafter vereidigt wird, ist schon klar: Dieser Mann ist vieles, aber nicht diplomatisch. Mit seiner Meinung hielt der 51-Jährige mit dem blendend weißen Lächeln noch nie hinterm Berg – egal ob als TV-Kommentator oder beim Twittern. Diplomat zu sein, bedeutet für mich, Klartext zu sprechen, sagt er – gerade gegenüber Freunden.

In Berlin fing er damit gleich am ersten Arbeitstag an. Seine Forderungen per Tweet:

“Deutsche Firmen mit Iran-Geschäft sollten ihre Arbeit sofort herunterfahren.”

Die Kritik, Botschafter hätten ihrem Gastland keine Anweisungen zu geben, wischte Grenell im US-Fernsehen weg. Darüber müsse man ja wohl reden dürfen, findet er.

Der Klartextredner

Die Hauptstadtpolitik schaut durchaus fasziniert auf den schillernden Neuling: Schwul mit langjährigem Partner, gläubiger Christ aus tief religiöser Familie, Harvard-Absolvent, Krebs-Überlebender, Kampfsportler, befreundet mit Merkel-Kritiker Jens Spahn. Und eben Klartextredner.

Anfang Juni: Interview mit den Rechtspopulisten von “Breitbart News”, dem Zentralorgan aller Trump-Verehrer und Verschwörungstheoretiker. “Ich möchte unbedingt andere Konservative in ganz Europa, andere Anführer, stärken“, sagt Grenell da. Und nennt Österreichs Kanzler Kurz einen Rockstar.

Hauptsache seinem Präsidenten gefällt es

Die deutsche Politik ist praktisch durch die Bank empört: Das sei Gutsherrenart, Grenell benehme sich wie ein rechtsextremer Kolonialoffizier. Grenells oberstem Chef soll es gefallen haben – und das ist für “Donald Trumps Pitbull”, wie der Botschafter manchmal genannt wird, wohl das Wichtigste.

Kreativ will er sein in seinen Methoden und ist es tatsächlich: So lädt er mitten im Zollstreit unter Umgehung der üblichen Verhandlungswege zum Beispiel einfach mal Deutschlands Autobosse ein und stellt ihnen Null Prozent Zölle in Aussicht. Grenell provoziert immer wieder, betont aber gleichzeitig, Deutsche und Amerikaner stünden absolut auf derselben Seite.

Und dann gibt es die Momente, wo Richard Grenell tatsächlich mal richtig diplomatisch klingt – nur, wie wahrhaftig ist das?
Über Angela Merkel und Donald Trump sagt er zum Beispiel: “Ganz offensichtlich mögen sie sich.”

Zuletzt aktualisiert: 17.10.2018, 12:13:04