Reißerisch? Bundeswehr provoziert mit Youtube-Serie

Gepostet am 01.11.2016 um 15:43 Uhr

Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem. Deshalb will sie mit der Youtube-Serie „Die Rekruten“ jetzt junge Leute locken. Ob das klappt? Und ob das ein angemessenes Mittel ist? Marion von Haaren hat sich umgehört.

„Hallo Leute, ich sitz´ jetzt hier im Zug auf dem Weg zur Kaserne“, so fängt er an – der Bundeswehr-Werbespot zur Youtube-Serie „Die Rekruten“. Darin beschreiben zwölf junge Leute ab heute ihren Start ins Truppenleben.

Schnell geschnitten mit dramatischer Musik unterlegt, ein professionell gemachtes Video, es gibt ab jetzt jeden Tag neue Einblicke in die geschlossene Welt der Kasernen und Truppenübungsplätze.

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Das Video erscheint in Kürze.

Kosten: Fast neun Millionen Euro

1,7 Millionen Euro lässt sich das Verteidigungsministerium die Werbeserie kosten, zusammen mit Plakat- und Postkartenwerbung kostet die Aktion fast neun Millionen Euro.

„Die Bundeswehr muss sich richtig anstrengen, um Nachwuchs zu gewinnen“, rechtfertigt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Kosten. „Genauso wie jedes große Unternehmen. Wir beschäftigen 250.000 Menschen und brauchen jedes Jahr 20.000 neue Soldaten und Soldatinnen.“ Es müsse ein starker Werbeimpuls gesetzt werden, damit sich die jungen Leute überhaupt für die Bundeswehr interessierten.

Über zwölf Wochen soll die Serie laufen. Gewehre putzen und laden, antreten zum Appell, Gefechtsübungen – der Werbespot „Die Rekruten“ zieht rein. Er provoziert aber schon Kritik:

„Zu reißerisch“

„Das ist ein Tick zu reißerisch“, sagt SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. „Abenteuerlust ist zu wenig Motivation, um zur Bundeswehr zu gehen. Wir brauchen kluge, nachdenkliche Leute, die über soldatisches Tun reflektieren.“

Ins gleiche Horn bläst Tobias Lindner von den Grünen. Gegen Nachwuchswerbung sei ja nichts einzuwenden. Aber: „Ich erwarte von Frau von der Leyen, dass sie denen, die Soldat werden wollen, auch aufzeigt, welche Belastungen etwa in Auslandseinsätzen auf sie zukommen.“

„Unzensiert und ungeschminkt“

Die Ministerin kontert. Die Serie „Die Rekruten“ sei eine unzensierte, ungeschminkte Videoproduktion der zwölf freiwilligen Wehrdienstleistenden. „Die jungen Leute filmen sich selber und erzählen ihre eigene Geschichte.“

Immerhin: die Neugier ist schon geweckt. Bis jetzt hat es allein auf dem Ankündigung-Spot 100.000 Klicks gegeben.

Korrespondentin

Marion von Haaren

Marion von Haaren
TV-Korrespondentin

Der Bericht aus Berlin

ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2019, 13:08:39