Reise mit Hindernissen: Gabriel gestrandet in der Ostukraine

Gepostet am 04.01.2018 um 14:40 Uhr

Eigentlich hatte Außenminister Gabriel im ostukrainischen Konfliktgebiet ein strammes Programm vor sich, doch das Wetter machte ihm und seinem ukrainischen Kollegen Pawlo Klimkin einen Strich durch die Rechnung. Arnd Henze war dabei.

Es war alles genau geplant: Um 5 Uhr früh sollte es mit dem Flugzeug von Kiew nach Dnipro gehen, dann weiter mit Hubschraubern ins Konfliktgebiet im Donbass: Gespräche mit den OSZE-Beobachtern, mit Dorfbewohnern und ein Blick von einem Beobachtungspunkt auf die sogenannte Kontaktlinie – ein dicht getaktetes Programm.

Doch schon am Flughafen von Dnipro ist Endstation für Sigmar Gabriel und seinem ukrainischen Kollegen Pawlo Klimkin: Nebel und Eisregen am Zielort Mariupol verzögern zunächst den Weiterflug. Die beiden Außenminister, die schon am Vorabend in Kiew länger als geplant miteinander über einen Waffenstillstand geredet hatten, sitzen nun mit uns allen in einem Warteraum und haben sehr viel Zeit.

Die Chemie zwischen Gabriel und Klimkin scheint zu stimmen

Am Anfang werden noch etwas theatralisch die üblichen Gastgeschenke ausgetauscht, dann ziehen sich die beiden auf eine Kofferablage an einer Sicherheitsschleuse zurück und reden lange über den schwierigen Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg ebenso wie über den aktuellen Konflikt im Donbass. Irgendwann lässt sich Gabriel eine Karte der Region bringen und von Klimkin alle blockierten Versorgungswege und Besonderheiten entlang der Kontaktlinie erklären.

Am Ende tragen solche Momente vermutlich mehr zu einer persönlichen Beziehung bei, als alle minutiös orchestrierten Begegnungen. Zwischen Gabriel und Klimkin scheint die Chemie jedenfalls zu stimmen.

Wenn der deutsche Außenminister allerdings tatsächlich Druck machen will, um einen echten Waffenstillstand und eine Einigung über eine UN-Blauhelmmission zu erzielen, wird diese Beziehung noch auf manch harte Probe gestellt werden. Denn Gabriel muss dann einen Ausgleich finden zwischen zwei völlig gegensätzlichen Vorstellungen: Die russische Seite will mit den UN am liebsten die Kontaktlinie zu einer offiziellen Grenze verfestigen, die ukrainischen Seite bringt ihre Haltung auf die einfache Formel: „Russen raus, UN rein“.

Gabriels hemdsärmelige Art als Trumpf?

An der Kompromisslosigkeit beider Seiten war schon Gabriels Vorgänger Frank-Walter Steinmeier immer wieder verzweifelt. Unter dem als sprunghaft und chaotisch geltenden Verhandlungsstil Klimkins hatte am Ende auch das persönliche Verhältnis gelitten. Da mag sich die etwas hemdsärmeligere Art Gabriels vielleicht sogar als Trumpf erweisen.

Als nach zwei Stunden im Warteraum jedenfalls klar ist, dass sich der Nebel über Mariupol nicht lichten wird, greift Gabriel spontan zum Kalender auf seinem Smartphone und schlägt einen neuen Anlauf schon in zwei Wochen vor. Anfang Februar soll es dann zum ersten Mal seit einem Jahr wieder ein sogenanntes Normandietreffen, also mit den Außenministern von Russland, Ukraine und Frankreich geben.

Und noch vor den russischen Präsidentschaftswahlen im März soll es ein Mandat für ein von der UN überwachten dauerhaften Waffenstillstand geben. Dass dieser Zeitplan sehr ambitioniert ist, weiß auch Gabriel. Ist er trotzdem realistisch? „Es ist doch viel unrealistischer zu meinen, man erreiche etwas ohne ambitionierte Ziele“, meint er entschlossen, bevor er wieder gemeinsam mit Klimkin in den Flieger nach Kiew steigt. Vergeblich scheint die Reise jedenfalls nicht gewesen zu sein.

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2018, 05:40:13