Protagonist Mohammad Alabdullah im Interview

Gepostet am 13.03.2017 um 14:52 Uhr

Mohammad Alabdullah ist einer der drei Flüchtlinge, die Matthias Deiß in den letzten zwei Jahren begleitet hat. Nach der Vorpremiere der Doku “Mohammad Mustermann” haben wir ihn interviewt.

Wie ist es dir in den letzten zwei Jahren ergangen?

Mohammad Alabdullah: Es war sehr anstrengend, die letzten zwei Jahren sehr anstrengend für mich, weil ich viel wegen meiner Familie gekämpft habe. Ich gab nicht auf. Diese Situation in der Halle war sehr schlecht, mit 400 Personen in einer großen Halle zu schlafen – jeden Tag war jemand krank. Das war schlecht. Nach dem Aufenthaltstitel habe ich mich geändert. Ich habe mich für einen Integrationskurs angemeldet und absolviert. Das war der erste, ein B1 Niveau. Und das dauert sechs Monate. Danach habe ich auch Ausbildung bei der BBW Schule gemacht. Auch dort sechs Monate. Danach habe ich ein Praktikum bei der Firma Einhorn gemacht. Und ich habe alles geschafft. Jetzt mache ich ein B2-Niveau. Und nachher suche ich eine Weiterbildung oder Ausbildung. Ich muss mit meinem Vermittler im Jobcenter darüber sprechen und er ist ein sehr guter Vermittler. Über meine Familie: Jetzt habe ich eine Schule für meinen großen Sohn gefunden. Er ist jetzt in einer Willkommensklasse – er spricht jetzt wenige deutsche Wörter und integriert sich mit den anderen Kindern in der Schule. Also meine Tochter und der Kleine, die sind in der Kita. Und meine Frau nimmt jetzt an einem Integrationskurs teil. Und wir sind … ein Sprichwort auf Arabisch: Wir sind auf der Erde. Alles läuft – aber langsam. Deutsche Sprache – das ist richtig – ist eine schwierige Sprache. Aber am Ende schaffen wir es. Das waren die letzten zwei Jahre bei uns.

Wie war es für Dich – also die Dreharbeiten?

Mohammad Alabdullah: Wenn man vor der Kamera steht, das finde ich schwer. Also, ich bin ein normaler Mensch. Ich bin kein Schauspieler. Etwas aufgeregt, etwas nervös. Dann fühle ich mich auch etwas müde. Ich möchte gern noch etwas sagen: Danke, Deutschland! Für meine Kinder, Sie haben meine Kinder geschützt. Und meine Frau. Ich möchte gern ganz Deutschland sagen: Sie haben mir geholfen in den letzten zwei Jahren. Vielen, vielen Dank. Ich bin sehr dankbar.

Wie hat sich dein Leben verändert – seitdem?

Mohammad Alabdullah: Also wie gesagt, wenn man sich bewirbt auf Asyl, fängt man mit viel Bürokratie an: LAGeSo und so. Das ist anstrengend und dann versteht man nicht, warum geht es so. Aber nachdem ich den Aufenthaltstitel bekam, fühlte ich mich wie ein anderer Mensch. Ich muss mich integrieren. Habe ich geschafft. Meine Familie ist jetzt da, ich fühle mich sehr, sehr entspannt. Und jetzt bin ich viel relaxter. Und jetzt geht es weiter. Was ich noch machen muss: Eine Arbeit finden oder an einer Weiterbildung teilnehmen.

Was machst Du heute? Arbeitest Du, besuchst Du einen Sprachkurs?

Mohammad Alabdullah: Ich besuche jetzt einen Sprachkurs. B2-Niveau. Das dauert drei Monate – ich muss mit meinem Vermittler im Jobcenter auch darüber sprechen, ob ich an einem C1-Niveau teilnehmen kann oder sofort an der Weiterbildung oder ob ich mich sofort auf eine Stelle bewerbe. Man schaut nach dem B2-Niveau. Ich muss mein Deutsch verbessern und mal schauen.

Zuletzt aktualisiert: 19.10.2017, 00:18:05