Demonstration für Inklusion in Berlin // Bild: imago/epd

Pro & Contra: Pränatale Bluttests als Kassenleistung?

Gepostet am 11.04.2019 um 13:06 Uhr

Sollen Krankenkassen die Kosten für vorgeburtliche Bluttests übernehmen, um genetische Abweichungen wie Trisomie 21 festzustellen? Bei Christoph Jähnert und Horst Kläuser gehen die Meinungen auseinander.

Pro: Darf keine Frage des Geldes sein

Ich finde, die Krankenkassen sollen den Bluttest auf Trisomie künftig übernehmen. Denn testen kann man sowieso jetzt schon auf Kosten der Krankenkasse – bei Risikoschwangerschaften nämlich. Allerdings nicht mit dem Bluttest, sondern man muss auf die viel gefährlichere Fruchtwasseruntersuchung setzen. Der Arzt entnimmt dabei mit einer Spritze eine Probe. Dieser Test hat aber ein hohes Risiko. Denn man kann das ungeborene Kind verletzen und dann erst recht schädigen. Beim Bluttest kann das nicht passieren. Den nicht zu bezahlen, wäre ein schräges Signal: Ihr könnt euch die paar hundert Euro nicht leisten? Tja. Pech. Dann müsst ihr wohl den gefährlichen Test machen.

Das heißt ja, wer Geld hat, kann sich das Risiko quasi wegkaufen. Und das ist ziemlich ungerecht. Kritiker sagen zwar, mit solch einem einfachen Bluttest steige womöglich die Zahl der Abtreibungen, so wie man das schon aus anderen Ländern kennt. Aber es ist überhaupt nicht klar, ob es wirklich etwas bringt, den Bluttest quasi hinter einer Art Schutzgebühr zu verstecken. Denn – wie gesagt – eine gefährlichere Art wird ohnehin bezahlt. Die Ungerechtigkeit aber, die würde bleiben.

Wichtig wäre, neben dem Bluttest eine richtige Beratung anzubieten und Eltern nicht alleine zu lassen mit dem Ergebnis. Denn Abtreiben oder nicht, das ist immer noch deren ganz eigene Entscheidung. Aber man kann ihnen zur Seite stehen – und das tut man nicht, in dem man ihnen einfach einen risikoarmen Test vorenthält.

Contra: Aussortieren soll nicht erleichtert werden

Als ich Kind war, sprach man noch von Mongolismus und es war nicht unüblich, mit dem Finger auf die anders aussehenden Kinder mit dem runden, etwas flachen Gesicht zu zeigen. Grausam, irgendwie.

Heute sagen wir Down-Syndrom, und wir wissen, das ist keine erworbene Krankheit, sondern eine Chromosomen-Anomalie. Zugegeben, früher waren mir diese jungen Menschen eigentlich egal. Wenn ich sie mal sah, verspürte ich oft ein Gefühl zwischen Ablehnung und Mitleid. Bis ich die ersten Kinder mit dem Down-Syndrom selbst traf und näher kennenlernte und schlicht begeistert bin. Das sind keine kranken Kinder, es sind andere Menschen, meist fröhlich, freundlich, lachend, hilfsbereit, unglaublich empathisch und liebenswerte Persönlichkeiten.

Dass man sich als Eltern vielleicht nicht nach einem solchen Kind sehnt, kann ich noch verstehen. Diese Kinder aber vor der Geburt auszusortieren wie ein Produkt 2. Wahl, nur weil es jetzt per Bluttest geht, ist falsch. Die Folge könnte die Abtreibung kompletter Menschen sein. Eine Kostenübernahme des Bluttests, so sicher er auch sein mag, würde vielleicht dazu führen, dass nie mehr Kinder mit Trisomie 21 geboren würden.

Würde die Welt dadurch besser? Oder würde sie vielleicht nur an Begegnungen und Erfahrungen mit wertvollen Mitmenschen ärmer? Menschen mit dem Down-Syndrom gehören zu unserer Welt. Sie sind ein Teil der Schöpfung und der Natur: sie denken, sie spielen, sie lieben. Methoden, ihre Aussonderung zu erleichtern, dürfen deshalb nicht Alltag werden.

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2019, 07:31:22