Großer Zapfenstreich // Bild: imago/Mike Schmidt

Pro & contra: Ist der Zapfenstreich noch zeitgemäß?

Gepostet am 15.08.2019 um 16:35 Uhr

Die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Aber braucht man dieses Zeremoniell noch? Nina Barth und Uwe Lueb sind da unterschiedlicher Auffassung.

Pro von Nina Barth: Der Zapfenstreich sorgt für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit

Ja, es mag ja sein, dass der Große Zapfenstreich ein bisschen wie aus der Zeit gefallen daherkommt, veraltet wirkt. Aber so ist es eben mit vielen Ritualen und Traditionen. Und diese, der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Form, ist über 200 Jahre alt.

Und ja, es mag auch sein, dass diese Tradition befremdet und zwar diejenigen, die nichts mit der Bundeswehr am Hut haben, die nichts anfangen können mit Männern und Frauen in Soldaten-Uniform mit Fackeln in der Hand und Befehlen wie „Helm ab – zum Gebet!“.

Aber es gibt auch die anderen, nämlich die, denen dieses Ritual etwas bedeutet, bei denen es ein Gefühl der Zusammengehörigkeit hervorruft. Und genau für diejenigen ist diese Tradition auch gedacht und gemacht. Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell. Warum sollte man so etwas in Frage stellen? Wem es nicht wichtig ist, der soll einfach nicht hinschauen.

Contra von Uwe Lueb: Wir brauchen eine Abkehr von militärischem Brimborium

Soldaten in Uniform, mit Stahlhelmen und Fackeln die einen, trommelnd die anderen, gebrüllte Befehle, zackiges Hackenknallen und präsentierte Gewehre. Das mag noch so sehr Tradition sein – es passt nicht in ein aufgeklärtes, weltoffenes, international eingebundenes Land wie es Deutschland ist und wie wir sein wollen.

Die Bilder eines Zapfenstreichs nur für sich zu nehmen, fällt schwer. Sie lassen fast unweigerlich auch das großmannssüchtige dunkle Deutschland der 1930er und 40er Jahre vor Augen kommen. Überhaupt verbinden viele mit militärischem Zeremoniell, zumal als Deutsche, nichts Gutes.

Natürlich verbieten sich Parallelen zwischen der Bundeswehr und vorangegangenen deutschen Armeen. Aus demselben Grund aber wünsche ich mir eine noch klarere Abgrenzung. Zum Beispiel durch eine Abkehr von militärischem Brimborium. Verdiente Politiker lassen sich auch anders würdig verabschieden.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2019, 17:16:50