Europa rutscht ab

Gepostet am 25.04.2018 um 06:00 Uhr

„Reporter ohne Grenzen“ schlägt Alarm. In keiner Weltregion hat sich die Pressefreiheit im vergangenen Jahr so verschlechtert wie in Europa. Vor allem Länder im Osten des Kontinents verlieren Plätze. Von Andrea Müller.

„Reporter ohne Grenzen“ schlägt Alarm. In keiner Weltregion hat sich die Pressefreiheit im vergangenen Jahr so verschlechtert wie in Europa. Vor allem Länder im Osten des Kontinents verlieren Plätze.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Es steht nicht gut um die Pressefreiheit in Europa. In keiner Region der Welt habe sich die Lage so verschlechtert, heißt es im Bericht von „Reporter ohne Grenzen“. Es gibt ein Ost-West-Gefälle, sagt Geschäftsführer Christian Mihr. Skandinavien bleibt vorbildlich. Andere rutschen ab in der Rangliste. Nach Ungarn und Polen jetzt auch Tschechien und die Slowakei, beide um rekordverdächtige 10 Plätze.

„In diesen Ländern sehen wir Demokratie als nicht gefestigt“, sagt Mihr. Medien würden pauschal diffamiert. „Reporter ohne Grenzen“ beobachte diese Entwicklung „mit großer Sorge“.

Die dortigen Regierungschefs spielen mit dem Feuer, warnt „Reporter ohne Grenzen“ und fordert die EU auf, das nicht länger tatenlos hinzunehmen. Brüssel könne durchaus Druck machen, sagt Mihr, etwa Sanktionen gegen Mitglieder verhängen oder bei Fortschrittsberichten „Ross und Reiter“ nennen.

Deutschland bleibt stabil

Für die Rangliste verteilt Reporter ohne Grenzen Fragebögen an Journalisten, Wissenschaftler und Juristen weltweit. Auch Verhaftungen Entführungen und Gewalttaten fließen ein in die Berechnung der jährlichen Rangliste.

Deutschland liegt auf Platz 15 nahezu stabil. Als Problem nennt Reporter ohne Grenzen seit Jahren die Überwachung von Smartphones und sozialen Medien – im aktuellen Bericht spielt aber auch in Deutschland das Thema Gewalt eine Rolle, etwa beim G20-Gipfel oder bei Pegida-Demonstrationen. Auch gebe es Regionen, in denen Journalisten etwa Recherchen zum Thema Rechtsextremismus nur unter Polizeischutz durchführen könnten.

Besonders scharf fällt die Kritik an der Türkei aus. Nirgendwo sonst sitzen so viele Journalisten im Gefängnis. Daran hat sich auch mit der Freilassung von Deniz Yücel nichts geändert, sagt Christian Mihr. Schließlich säßen viele Journalisten dort immer noch im Gefängnis, auch wenn „die Aufmerksamkeit“ nachgelassen habe.

Gambia ist im aktuellen Bericht ein Lichtblick. Nach dem Ende der Diktatur hat sich das afrikanische Land zum Aufsteiger des Jahres 2017 entwickelt. „Das hat zu einer Blüte von Medien geführt“, sagt Mihr. Drohungen seien zurückgegangen. „Es macht Mut zu sehen, was möglich ist“, so Mihr weiter.

Rangliste der Pressefreiheit
Sabine Müller, ARD Berlin
06:08:52 Uhr, 25.04.2018

Zuletzt aktualisiert: 14.11.2019, 12:00:57