Zu billig – Prämien sollen Pflegekräftemangel beheben

Gepostet am 17.05.2018 um 11:51 Uhr

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung fordert Geldprämien für Pflegeberufe, damit sie wieder attraktiver werden. Doch Geld alleine reicht nicht – das System muss geändert, der Pflegeberuf interessanter und vielfältiger werden, kommentiert Dirk Rodenkirch.

Klingt verlockend und wunderbar einfach. Die große Steuergeld-Gießkanne auspacken – um Pflegekräfte zurückzugewinnen und junge Menschen für den Beruf überhaupt zu begeistern. In vielen Fällen reicht ja der Lockruf des Geldes. Hier habe ich allerdings große Bedenken.

Denn aus einem unattraktiven Beruf wird auch durch eine Starthilfe kein reizvoller. Viele Pfleger haben sich nicht grundlos aus dem Job verabschiedet. Sondern weil die Arbeitsbedingungen schlecht sind, die Bezahlung niedrig und oft zu wenig Zeit für die Patienten bleibt!

Zwei weitere Knackpunkte im Konzept

Wenn Pflegebetreiber wirklich Personal suchen, warum sollen sie noch Geld bekommen, wenn sie tatsächlich jemanden einstellen. Denn die Pflege ist ein gut laufendes Geschäft.

Seltsam auch: die geplante Möglichkeit, die Arbeitszeit von 100 auf 80 Prozent zu reduzieren – bei vollem Lohnausgleich. Damit sich Pflegekräfte erholen können. Denn so wird die Überbelastung der Menschen weiter eingepreist. Und sogar staatlich unterstützt.

Pflege attraktiv machen

Ein Signal möchte der Pflegebeauftragte senden! Das wirklich etwas geschieht, um die dramatische Personalsituation in Heimen und Kliniken zu verbessern. Ein schnell verdienter Euro wird da nicht reichen. Auch wenn der ein oder andere wegen der Prämie wieder zum Pfleger wird.

Geändert werden muss aber das System. Und hier kommt der spannende Teil der Pläne: Der Pflegeberuf soll interessanter und vielfältiger werden. Von der Assistenz bis zum akademischen Master. Mit Qualifizierung und Aufstiegschancen – so wird die Pflege attraktiv und zwar auf Dauer. Nicht durchs schnelle Geld.

 

Zuletzt aktualisiert: 26.05.2018, 04:35:58