Portrait Katrin Suder: Von der Rüstung zum Digitalen

Gepostet am 22.08.2018 um 17:53 Uhr

Katrin Suder war Unternehmensberaterin, hat sich fürs Verteidigungsministerium in Rüstungsthemen eingearbeitet und ist nun Vorsitzende des Digitalrats. Als promovierte Neuroinformatikerin genau ihr Fach. Ein Porträt von Andrea Müller.

 

Zu ihrem Abschied marschierten im Bendlerblock die Fackelträger auf. Serenade für Katrin Suder: Ein Zeremoniell in dem sie etwas fremd wirkt. Vier Jahre lang hatte sie für die Bundeswehr den Einkauf optimiert – so formuliert es die Ministerin. Katrin Suder, Zivilistin, Unternehmensberaterin, eine lesbische Frau mit drei Kindern, krempelt die Beschaffung um.

Also ich bin sicher, dass viele Vorbehalte da waren. Und ich habe mich manchmal gefragt, welche Dimension meine Biografie mehr Angst und Sorge gemacht hat. (Katrin Suder)

Sie trägt Schulterlange Haare, Brille, Business-Outfit – nicht nur äußerlich merkte man ihr an, woher sie kam. Bei Mc-Kinsey war sie Direktorin. Die Sprache hat sie mitgenommen ins Verteidigungsministerium. Prozessoptimierung, Risikomanagement. Das waren neue Töne im allgemeinen Bundeswehr-Ausrüstungs-Dickicht. Katrin Suder führt ein digitales Einkaufstool ein – mit Ampelsystem  – rot, gelb, grün – jeder sollte sehen, wo das Projekt gerade steht.

Die Bundeswehr beschafft das, was sie braucht und nicht, was ihr angeboten wird. Und – in Klammern – nicht, was Lobbyismus oder Lobbyverbände wollen. Und nicht, was die Industrie gerade mal produzieren kann und nicht, was Arbeitsplätze bringt. Das ist eine unglaubliche Veränderung. (Katrin Suder)

Ins Thema Rüstung musste Katrin Suder sich erst mal einarbeiten. Beim Digitalrat dürfte ihr das leichter Fallen. Die Vorsitzende ist vom Fach. Hat Physik studiert, in Neuroinfomatik promoviert. Eins bringt sie auf jeden Fall mit: Durchsetzungsvermögen – vor allem in Männerdomänen.

Ich habe viele Dax-Konzerne beraten und war dort auch oft alleine im Vorstand. Ich habe aber auch Physik in Aachen studiert. Und ich war der erste gemischte Jahrgang auf einer Jungenschule. Also irgendwie scheint sich da ein roter Faden durchzuziehen. (Katrin Suder)

Aus persönlichen Gründen habe sie das Verteidigungsministerium verlassen. Das Stabsmusikkorps hat ihr zum Abschied “Ich liebe das Leben” von Vicky Leandros gespielt.

Mehr Privatheit, mehr Leben – da wollte Katrin Suder eigentlich hin. Sie hat sich anders entschieden. Im Digitalrat wird sie jetzt das Tempo vorgeben. Gemütlich wird das für die Mitglieder sicher nicht.

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2018, 16:48:52