Helge – wer?

Gepostet am 24.02.2018 um 12:53 Uhr

Er gilt als diszipliniert, zuverlässig, loyal – und wird als künftiger Kanzleramtschef gehandelt: Staatsminister Helge Braun. Doch kaum einer kennt ihn. Genau das könnte für ihn sprechen. Von Sabine Müller.

Er gilt als diszipliniert, zuverlässig, loyal – und wird als künftiger Kanzleramtschef gehandelt: Staatsminister Helge Braun. Doch kaum einer kennt ihn. Genau das könnte für ihn sprechen.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Wer im Kanzleramt arbeitet, der weiß, dass es hier heikle Situationen und handfeste Krisen reichlich gibt. Gut also, wenn man da immer die Ruhe weg hat: „Eine ganz normale klassische Narkose-Einleitung am nüchternen Patienten.“

Helge Braun ist gelernter Anästhesist und Notfallmediziner – und auch vom Typ her einer, der niemals hektisch, sondern immer besonnen daherkommt. Fähigkeiten, die ihm halfen, als Kanzlerin Merkel ihn 2015 zum Koordinator für Flüchtlingsfragen machte: „In so einer Krisensituation zu zweifeln, nützt Ihnen ja überhaupt nichts,“ sagt er.

Leibesfülle und heiteres Gemüt – wie Peter Altmaier

„Merkels Flüchtlingskrisen-Terminator“ nannte ihn die „Zeit“ damals. Aber von einem knallharten Brutalo-Terminator hat der 45-jährige Braun so gar nichts – wegen der enormen Leibesfülle und auch wegen des stets heiteren Gemüts. Beides teilt er mit Peter Altmaier, dem er jetzt wohl als Chef des Kanzleramts nachfolgen soll.

Brauns Lebensmotto: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. Dann wird eben weitergearbeitet.“

2013 kam der Gießener Bundestagsabgeordnete – nach vier Jahren als Staatssekretär im Bildungsministerium – ins Kanzleramt. Zuständig für Themen wie Bürokratieabbau und die Koordinierung der Bund-Länder-Beziehungen. Eher spröde Alltagskost – bis die Flüchtlingskrise kam.

Zuverlässig, diszipliniert, diskret

Das war die Zeit, als der Handy-Akku immer nur kurz reichte: „Von morgens bis nachmittags.“ Als das tägliche Stundenpensum im Büro 5101 im Kanzleramt besonders hoch war: „So 14 bis 16.“ Und als seine Frau in Gießen ihn noch seltener sah also sonst, weil es praktisch nie freie Wochenenden gab.

Helge Braun ist der Typ Politiker, der auf die Frage nach Hobbies sagt: „Nein – Politik ist Hobby und Beruf gleichzeitig.“ Ein Arbeitstier – zuverlässig, diszipliniert, diskret. Braun gilt als einer der engsten Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel, ein ganz loyaler: „Ich glaube, Sie haben gerade eine Bundeskanzlerin erlebt, die ihren Job mit Liebe, mit Hingabe, besonnen und klug macht.“

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Je weniger man von ihm hört, desto besser

Loyal im Auftritt nach außen und nach innen. Wo Braun politisch zu verorten ist, d.h. bei welchem Flügel der CDU, ist schwer zu sagen – denn er ist keiner, der sich mit deutlichen Äußerungen weit aus dem Fenster lehnen würde. Vermutlich gefällt Merkel auch das.

Dass Braun in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, muss übrigens kein Nachteil sein, wenn es um den Job geht, für den ihn die Kanzlerin am Sonntagabend wohl vorschlagen wird. Vom Kanzleramtschef heißt es ja gerne: Je weniger man von ihm hört, desto besser. Denn dann läuft in der Schaltzentrale der Macht alles reibungslos.

Portrait Helge Braun
S. Müller, ARD Berlin
11:55:00 Uhr, 24.02.2018

Zuletzt aktualisiert: 24.01.2020, 17:13:07