Poggenburg ist für die AfD kein schmerzlicher Verlust

Gepostet am 11.01.2019 um 15:42 Uhr

André Poggenburg verlässt die AfD. Dabei geht es um Macht, seinen politischen Stil und unbedachte Äußerungen. Weniger rechts ist die Partei deshalb nicht, kommentiert Birgit Schmeitzner.

Ein Rechtsaußen geht – aber das macht die AfD jetzt nicht irgendwie weniger rechts. Bei dem Konflikt mit André Poggenburg ging es nicht um verschiedene politische Ansichten. Da liegt Poggenburg mit dem völkischen Flügel um Björn Höcke und Andreas Kalbitz weiter auf einer Linie. Es ging um Macht, um den politischen Stil und um unbedachte Äußerungen des früheren Landeschefs der AfD Sachsen-Anhalt.

Poggenburg war immer für Schlagzeilen gut: Mal bezeichnete er die in Deutschland lebenden Türken als Kümmelhändler und Kameltreiber, mal fanden intime Online-Chats den Weg in die Öffentlichkeit. Recherchen über Schulden, unbeglichene Rechnungen und juristische Schwierigkeiten halfen auch nicht gerade seinem Ansehen.

Dazu kam der Vorwurf, sein Führungsstil sei selbstherrlich, er betreibe Vetternwirtschaft. Der Silvester-Tweet, in dem Poggenburg in Nationalsozialisten-Manier von „deutscher Volksgemeinschaft“ sprach, war da nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Poggenburgs Austritt kommt gelegen

Die AfD hat nun mal große Angst vor einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Der Bundesvorstand mahnt die Parteimitglieder und vor allem die Funktionäre, sich verbal zu mäßigen. Den zunehmend zum Außenseiter mutierenden André Poggenburg zu maßregeln, ihm eine zweijährige Ämtersperre anzudrohen, das ist auch ein Signal an die Verfassungsschützer, nach dem Motto: Schaut her, wir kümmern uns!

Dass Poggenburg jetzt ausgetreten ist, ob aus eigenem Antrieb oder nicht, dürfte der Parteispitze sehr recht sein. Dafür sprechen die Worte, die ihm von AfD-Granden hinterhergeworfen werden: er habe keine Zukunft, er werde in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden, er solle doch die anderen „selbst ernannten Patrioten“ gleich mitnehmen.

Tiefer Fall für Poggenburg

Es kann gut sein, dass sich Poggenburg mit seiner neu gegründeten Gruppierung AdP, Aufbruch deutscher Patrioten, überhebt. Und dass er der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland nur wenige Stimmen abjagen kann.

Für ihn selbst ist es ein tiefer Fall: vom Bundesvorstand, Landes- und Fraktionschef in Sachsen-Anhalt zurück in die relative Bedeutungslosigkeit. Für die AfD ist es kein schmerzlicher Verlust.

Zuletzt aktualisiert: 17.01.2019, 06:26:55