Plötzlich nett – gute Vorsätze in der Politik

Gepostet am 05.01.2019 um 13:59 Uhr

Haben Sie gute Vorsätze für 2019? Und halten Sie sich noch dran? In der Politik scheint man sich jedenfalls vorgenommen zu haben, netter zueinander zu sein. Ob das jeder schafft? Eine Glosse von Uwe Jahn.

Plötzlich nett. Kollegen, die sich kaum leiden können, wünschen sich ein gutes neues Jahr und meinen es wohl ehrlich. Der sonst so schmallippige Nachbar grüßt aufgeräumt und sogar die bessere Hälfte lächelt öfter mal. Auch Markus Söder und Alexander Dobrindt von der CSU haben sich etwas vorgenommen:

Söder: „Nützen sie auch mal die Gelegenheit das neue Jahr so optimistisch wie der Alexander und ich zu beginnen, mit neuer Frisur, neuem Schwung, ja.“
Dobrindt: „Die Frisur war ein Unfall, aber ich kann gern drüber erzählen.“
Söder: „Es sieht gar nicht mal so viel schlechter aus, äh, es sieht gut aus. Äh, was wollten Sie noch mal fragen?“

Vor lauter Bemühen um Nettigkeit den roten Faden verlieren: Aller Anfang ist schwer. Auch in der FDP geben sie sich Mühe, trotz der Kritik an der Regierung, irgendwie das Positive zu betonen. Generalsekretärin Nicola Beer:

„Letztendlich geht es auch da darum, nach vorne, neue Zukunftschancen zu erarbeiten aus denen die Menschen dann auch ganz persönlich ihre Erfolge machen können und die Chancen sehen gut aus.“

Und weil man in der FDP prinzipiell ganz gerne nett zu sich selber ist, denkt Beer wohl an ihre eigenen Ambitionen bei der Europawahl im Mai. Überhaupt die Wahlen im Jahr 2019. Auch Bremen, Brandenburg, Sachsen und Thüringen wählen – und zwar ihre Landesparlamente. Da will auch die AfD sich von ihrer eher netten Seite zeigen. Die verkörpert gegenwärtig am glaubwürdigsten Georg Pazderski, der Landesvorsitzende aus Berlin:

„Und ich halte es hier mit unserem Bundespräsidenten, der auch gesagt hat, redet miteinander, auch wenn Leute anderer Meinung sind.“

Wie man das ganz ohne Beschimpfungen hinbekommt, das müssen sie hier wie dort noch üben. Das Jahr ist ja noch jung. Nur die Zeit hält sich nicht mit Nettigkeiten auf. Sie lässt uns hinter sich. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist es längst klar geworden:

„Die Demokratie lebt vom Wechsel und wir alle stehen in der Zeit.“

Und sind vergänglicher als sie. Genau das fürchtet die stets provozierend nette Ursula von der Leyen, CDU-Verteidigungsministerin. Die Gerätschaften ihrer Bundeswehr leiden an Altersschwäche. Wenigstens der Airbus A400M ist eine Ausnahme:

„Wenn dieses Großtransportflugzeug mal seine Kinderkrankheiten überwunden hat, dann werden wir den modernsten Transportflieger der Welt hier haben.“

Na klar. Nur ist dieses Feld, auf dem es um Modernität geht, eben weit. Es heißt Gegenwart und hat Tücken. So haben wir in Berlin einen Flughafen, der mal so modern war, dass ihn keiner weiterbauen konnte, und jetzt teilweise veraltet ist, so dass ihn keiner fertigstellen kann.

Ganz zu schweigen von den Cyberkriminellen, die Daten von Bundespolitikern abgesaugt und ins Netz gestellt haben. Das ist vielleicht zeitgemäß, aber alles andere als nett. Doch zurück zu den geläuterten Herrschaften von der CSU:

Dobrindt: „Wir wollen den Zusammenhalt, die Gemeinschaft, die Schicksalsgemeinschaft CDU und CSU auch offensiv zeigen.“
Söder: „Streit lähmt und Streit langweilt und Streit nervt und deswegen sind wir da alle jetzt konstruktiv beseelt, es besser zu machen.“

Plötzlich nett. Hoffentlich hält es eine Weile.

Zuletzt aktualisiert: 18.09.2019, 18:11:13