Plötzlich entdeckt die Regierung die Jugend

Gepostet am 04.12.2019 um 12:45 Uhr

Die Bundesregierung hat ihre erste Jugendstrategie entwickelt – gemeinsam mit Jugendlichen. Deren zentrale Forderung: Mehr Mitbestimmung bei Zukunftsfragen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, findet Sabine Henkel.

Folgenden Satz aus dem Strategiepapier der Bundesregierung muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gibt es ein gemeinsames Bekenntnis aller Ministerien, junge Menschen und ihre Belange konsequent im Blick zu behalten.“

Und? Wie schmeckt das? Schal? Bitter? Verdorben? Zum Speien! Oh ja.

Neue Zielgruppe: junge Generation

Die Bundesregierung hat eine neue Zielgruppe entdeckt: die junge Generation. Die 12- bis 27-Jährigen, die auch auf diesem Planeten leben und ihn später mal übernehmen werden. Vielleicht vertrocknet, als Wüste, aber möglicherweise schuldenfrei, denn die Regierungen dieses Planeten haben sich lieber im Hier und Jetzt aufgehalten und Politik für ihre eigene Generation gemacht: Schwarze Null statt grüner Null. Und sie haben Eltern und Großeltern durch ihre Rentenpolitik begünstigt und deren Enkel benachteiligt.

Aber jetzt wird ja alles anders. Denn die schwarz-rote Bundesregierung hat eine Jugendstrategie aufgesetzt und dazu junge Menschen befragt, was ihnen wichtig ist. Und siehe da: Sie haben Dinge genannt, auf die die Bundesregierung selber niemals hätte kommen können: gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land, bezahlbaren Wohnraum, einen flächendeckenden ÖPNV und ähnliches mehr.

Jugend erwartet das Selbstverständliche

Doch Ironie beiseite! Die jungen Leute haben das Naheliegende aufgeschrieben. Man könnte auch sagen, Selbstverständliches. Mehr erwarten sie gar nicht. Beim Umweltschutz stellen sei den Anspruch an der Ausgestaltung politischer Maßnahmen beteiligt zu werden. Für eine effiziente Umwelt- und Klimapolitik im Sinne der nachfolgenden Generationen scheint das auch dringend geboten.

Aber um nicht alles schlecht zu reden: Ja, es ist gut, dass Franziska Giffey, die sich im Wesentlichen um Politik für Kinder kümmert, sich jetzt auch den Jugendlichen zuwendet. Und ja, es ist gut, dass die Bundeskanzlerin mal mit anderen Menschen, jüngeren Menschen, ins Gespräch kommt. Und nicht nur mit Politikern, Mandatsträgern und Funktionären der Ü50-Gruppe. Mögen Sie Ihnen die Augen öffnen, damit in Zukunft keine extra Jugendstrategie mehr nötig ist, sondern Politik für junge Menschen selbstverständlich wird.

Zuletzt aktualisiert: 07.12.2019, 02:07:41