Pflege im Koalitionsvertrag ist mehr Schein als Sein

Gepostet am 08.02.2018 um 13:56 Uhr

Union und SPD wollen neue Stellen für Pflegefachkräfte schaffen und den Beruf des Pflegers attraktiver machen. Die Planungen sind mehr Schein als Sein, kommentiert Kathrin Wesolowski.

8000 neue Fachkraftstellen, eine „Aktion Pflege“ und flächendeckende Tarifbezahlung in der Pflege. Der Koalitionsvertrag sieht auf den ersten Blick ganz gut für die Pflege aus – für Menschen, die sich mit der Realität im Pflegealltag nicht auskennen.

Höhere Tarife müssen her

Natürlich sind die Angleichungen der Löhne in Ost- und Westdeutschland ein Schritt in die richtige Richtung – aber ein sehr kleiner. Der Pflegeberuf ist noch immer einer der am schlechtesten bezahlten Berufe deutschlandweit. Egal, ob nach Tarif bezahlt wird oder nicht.

Wenn Union und SPD wirklich etwas tun wollen, müssen sie nicht nur Tarifbezahlung garantieren, sondern auch höhere Tarife. Denn die Pflege ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft.

Deutschland wird immer älter. 2015 waren laut Statistischem Bundesamt fast drei Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis 2060 wird sich die Zahl fast verdoppeln. Deutschland wird immer älter, und durch immer bessere Medizin und Forschung wird sich das Leben vieler vielleicht noch mehr verlängern.

Jeder Mensch verdient eine gute Pflege

Schon heute fehlen laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PWC mindestens 30.000 Pflegefachkräfte. Schön und gut, dass Union und SPD 8.000 neue Fachkraftstellen schaffen wollen – doch woher sollen die Fachkräfte kommen? Der Job ist und bleibt unattraktiv, wenn sich ein Pfleger in einer Schicht häufig um 50 Menschen kümmern muss und gleichzeitig unterbezahlt ist.

Die Planungen von Union und SPD sollen einen guten Willen zeigen – doch sie sind mehr Schein als Sein. Damit die Parteien sagen können, dass sie etwas für die Pflege tun wollen.

Stattdessen sollten sich Union und SPD einmal ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen und den Beruf des Pflegers wirklich attraktiver machen: Mit höherem Lohn, einem ordentlichen Personalschlüssel und mehr Anerkennung für die Pfleger. Schließlich pflegen sie Senioren nicht nur, sondern begleiten sie auch beim Sterben. Und jeder Mensch verdient eine gute Pflege an seinem Lebensabend.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2018, 12:51:58