Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, CSU, an der Al Nuori Moschee im zerstörten Mossul. Foto: imago/photothek

„Perspektive Heimat“: Wieder Fußfassen im Irak

Gepostet am 25.04.2018 um 14:25 Uhr

Vom „IS“ befreit, aber zerstört. Erst in zehn Jahren wird Mossul wieder bewohnbar sein. Entwicklungsminister Müller will Perspektiven schaffen und setzt auf freiwillige Rückkehr. Nina Barth über die Reise in den Irak.

Mossul – das ist die Stadt, die bis zuletzt umkämpft war. Hier hatte der sogenannte „IS“ seinen Hauptsitz, hier hat er das Kalifat ausgerufen. Entwicklungsminister Gerd Müller steht inmitten von Trümmern, wir tragen alle schwere schusssichere Westen. Müller schüttelt fassungslos den Kopf:

„Das ist unvorstellbar. Die Zerstörung ist grenzenlos, unermesslich. Hier sieht man, wozu Menschen fähig sind.“

Es wirkt surreal. Straßenzüge, in denen keine Häuser mehr stehen, nur riesige Schutthaufen. Und plötzlich kommen zwischen dem Schutt kleine Kinder hervor.
Am Abend davor hatten wir eine Einweisung des BKA. „Bleiben sie immer bei uns, verlassen sie nicht die Wege, die wir gehen.“ Überall in der Stadt sind noch Minen und Sprengfallen des „IS“ verborgen, vermutlich tausende.

Die UN schätzt, dass es noch etwa zehn Jahre dauern wird, bis die Stadt wieder bewohnbar ist. Das Entwicklungsministerium hat im vergangenen Jahr 105 Millionen Euro in Mossul investiert. 180 Schulen wurden mit deutscher Hilfe aufgebaut. Müller steht in den Trümmern, fordert nicht zum ersten Mal, dass Deutschland in seinem Engagement für den Irak und die gesamte Krisenregion rund um Syrien nicht nachlassen darf.

Am Tag davor waren wir in einem Flüchtlingscamp, in dem rund 26.000 Menschen leben, überwiegend Jesiden, geflohen vor dem „IS“. Eine Jesidin zeigt dem Minister ihr Zelt: rund 24 Quadratmeter. Hier lebt sie mit ihrem Mann und drei Kindern – seit vier Jahren.

Mithilfe des Programms „Cash-for-Work“ finden die Menschen hier vorübergehend Jobs. Straßen sind so im Camp entstanden, demnächst wird eine Kläranlage eröffnet. Müller steht bei ein paar Maurern, greift nach der Glättkelle. Man merkt, das ist sein Ding, der Kontakt zu den Menschen, selbst mit anpacken. Und man nimmt es ihm ab, er will etwas für die Menschen tun. Er glaubt an „seine Mission“.

Müller sagt, wir müssen Perspektiven schaffen. Dazu gehört auch ein Migrationsberatungszentrum, dass er in der Nähe von Erbil eröffnet hat. Der Entwicklungsminister setzt auf freiwillige Rückkehr. Bis zu 10.000 Iraker sollen durch das neue Projekt dabei unterstützt werden, in der Heimat wieder Fuß zu fassen.

Die Tage im Irak sind vollgepackt, Müller besucht das Zentrale Heiligtum der Jesiden, legt den Grundstein für den Erweiterungsbau einer Notfallambulanz – hier werden sie vermutlich noch viele Jahre Minen-Opfer behandeln – und er spricht mit Jesidinnen, die in „IS“-Gefangenschaft waren.
Es war ein Irak-Besuch, der viele Eindrücke hinterlassen hat, bei allen Teilnehmern.

Zuletzt aktualisiert: 18.08.2019, 15:02:09