Der neue Generalsekretär der CDU: Paul Ziemiak auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2018. Foto: imago/photothek

Paul Ziemiak: konservativ, traditionsbewusst, streiterprobt

Gepostet am 08.12.2018 um 12:55 Uhr

Er hat ihre Gegenkandidaten unterstützt, trotzdem hat die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer Paul Ziemiak zum Generalsekretär gemacht. Ein Porträt des früheren JU-Chefs von Alex Krämer.

Wie die JU ist auch Ziemiak konservativer als die Union

Die Jusos bei der SPD sind traditionell linker als die Mutterpartei, die Junge Union ist meistens ein bisschen konservativer als CDU und CSU – diese Grundregel gilt auch für den aktuellen JU-Chef, Paul Ziemiak. Der ist 33 Jahre alt, steht seit vier Jahren an der JU-Spitze – und dass ihn an der Merkel-CDU vieles stört, macht er schon lange klar, so wie Anfang Oktober, beim Deutschlandtag der Jugendorganisation in Kiel:

“Diese Groko taumelt von Krisensitzung zu Krisensitzung, beschäftigt sich nur mit sich selbst statt mit den Problemen, und darauf haben weder wir noch die Menschen in diesem Land Bock, liebe Freunde!”

Der Dauerkrach hat schließlich Folgen:

“Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber ich persönlich kann nicht schlafen, wenn ich unsere Union bei 26 Prozent sehe. Da kann man nicht sagen, da warten wir mal ab!”

Ein Mann der Tradition

Sein Gegenrezept: Mehr Klarheit, weniger rumschwurbeln und konservative Akzente. Die JU will künftig jedes Jahr einen Empfang für Soldaten ausrichten, Ziemiak beschwört gerne nationale Symbole wie Hymne und Flagge und gibt sich traditionsbewusst.

“Ich bin letztes Jahr Vater geworden, und versuche das, was ich selbst von meinen Eltern mitbekommen habe, unserem Sohn weiterzugeben. Die Osterwoche, die Weihnachtsgeschichte. Unsere Tradition, unsere Werte, vor allem auch unsere christlichen Werte. Und ich werde mit meinem Sohn auch auf Martinsumzüge gehen, so wie mein Vater es mit mir gemacht hat.”

So was streichelt die Seele der CDU – und so zuspitzen, dass die Parteiseele sich freut, kann Ziemiak, der fast immer frei redet, auch.

“Warum wird in Deutschland immer noch Kindergeld an Kinder ausgezahlt, in gleicher Höhe, die noch nie in Deutschland gelebt haben und nicht in Deutschland leben. Das kann doch keiner verstehen. Und damit muss Schluss sein, und zwar noch in dieser Legislaturperiode. “

Ziemiak: AKKs Signal, alle einbinden zu wollen

So ein Tonfall passt zum Generalsekretärs-Job – hinzu kommt: Ziemiak kommt aus dem mächtigen Landesverband NRW, und er hat im parteiinternen Wahlkampf Jens Spahn und Friedrich Merz unterstützt – seine Berufung ist Kramp-Karrenbauers wichtigstes Signal, dass sie alle einbinden will.

Bei allem Traditionsbewusstsein hat Ziemiak die Junge Union in seinen vier Jahren als Chef modernisiert, schlagkräftig aufgestellt, in Unions-Wahlkämpfen spielen die Jungen eine wichtige Rolle. Und: Die JU diskutiert viel mehr, ist viel streiterprobter als die Mutterpartei – für Ziemiak ein Erfolgsrezept.

“In der CDU/CSU bilden sich irgendwelche komischen Zirkel, ob Werteunion oder Union der Mitte. Wir haben keine Werteunion in der Jungen Union, wir haben keine Union der Mitte, Gott sei Dank nicht. Weil wir auf den Deutschlandtagen immer gestritten haben um die besten Positionen.”

Streit als Bindemittel, als Werkzeug zur Herstellung von Geschlossenheit – für die CDU ein ziemlich revolutionärer Ansatz. Passt aber ganz gut zu dem, was in den vergangenen Wochen passiert ist. Die Partei hat sich ja ein bisschen berauscht an der vielen Mitbestimmung, die plötzlich möglich war – Ziemiaks Job ist es jetzt, davon was rüberzuretten in die Zeit nach dem Parteitag.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2018, 01:56:44