„Krieg schafft nichts als Elend“

Gepostet am 04.02.2019 um 18:50 Uhr

Mit Spannung war die Rede des Papstes in Abu Dhabi erwartet worden. Franziskus hielt ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Krieg und Gewalt, das dem Gastgeber nicht uneingeschränkt gefallen haben dürfte. Von Jörg Seisselberg.

Mit Spannung war die Rede des Papstes in Abu Dhabi erwartet worden. Franziskus hielt ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Krieg und Gewalt, das dem Gastgeber nicht uneingeschränkt gefallen haben dürfte.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom, zzt. Abu Dhabi

Das „Founders Memorial“ in Abu Dhabi war eine besondere Bühne, auch für den Papst alles andere als alltäglich: Moslems, Buddhisten, evangelische Christen – auf der interreligiösen Konferenz in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sind zahlreiche Religionsgemeinschaften vertreten.

Auch der politisch mächtigste Mann des Gastgeberlandes, Kronprinz Mohammed Bin Zayed, hörte Franziskus zu und erlebte einen Papst, der die Emirate für religiöse Toleranz lobte, aber so deutlich wie selten – gerade auch von Religionsvertretern – Verantwortung im Kampf gegen Krieg und Terror einforderte.

„Die Zeit ist gekommen, dass die Religionen sich aktiver, mutig, kühn und aufrichtig, dafür einsetzen, der Menschheitsfamilie zu helfen, ihre Fähigkeit zur Versöhnung, ihre Vision der Hoffnung und konkrete Wege zum Frieden weiterzuentwickeln“, sagte Franziskus.

Zum ersten Mal besucht ein Papst die arabische Halbinsel
tagesschau24 19:08:53 Uhr, 04.02.2019

Entweder gemeinsame Zukunft – oder gar keine

Dies gehe nur, wenn sich die Religionen brüderlich begegneten. Es gebe keine Alternative, sagte der Papst und betonte in schon fast dramatischer Zuspitzung: Entweder die Religionen bauten gemeinsam die Zukunft oder es gebe keine.

In seiner Rede, dem ersten Höhepunkt des Besuchs auf der arabischen Halbinsel, verurteilte Franziskus besonders Gewalttaten, die religiös begründet werden. „Im Namen Gottes des Schöpfers sind daher alle Formen der Gewalt unweigerlich zu verurteilen“, sagte er. „Denn es ist eine schwere Entweihung des Namens Gottes, ihn zur Rechtfertigung von Hass und Gewalt gegen den Bruder zu missbrauchen. Es gibt keine Gewalt, die religiös gerechtfertigt werden kann.“

Franziskus mit Kronprinz Mohammed bin Zayed

Hohe Erwartungen an Papst-Rede

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„Entmilitarisierung des menschlichen Herzens“

Auch wenn eine rein religiöse Botschaft des Papstes angekündigt war, wurde Franziskus am Ende seiner Rede deutlich politisch – mit einem Appell, der unter anderem dem anwesenden Kronprinzen in den Ohren geklungen haben dürfte. Mohammed setzt als Führer der Emirate zwar auf relative Liberalität im Inneren, aber durchaus auch auf militärische Stärke nach außen.

Was Religionen zu tun hätten, sei klar, betonte Franziskus nämlich: Wie vielleicht nie zuvor hätten sie eine Aufgabe, „die nicht mehr aufgeschoben werden kann: einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung des menschlichen Herzens zu leisten. Das Wettrüsten, die Ausweitung der eigenen Einflussbereiche und eine aggressive Politik zum Nachteil anderer werden nie Stabilität bringen. Krieg schafft nichts als Elend, Waffen nichts als Tod“.

„Monetarisierung der Beziehungen“ entgegentreten

Und allen, die sich fragten, ob Franziskus damit auch den von den Emiraten unterstützten Krieg im nahe gelegenen Jemen meinte, blieb der Papst die Antwort nicht schuldig, als er die Billigung von Krieg verurteilte: „Wir haben seine katastrophalen Folgen vor unseren Augen. Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen.“

Gemeinsam müsse man der Logik bewaffneter Macht und der „Monetarisierung von Beziehungen“ entgegentreten, so der Appell des Papstes. Von den rund 700 Teilnehmern der interreligiösen Konferenz gab es dafür Beifall.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2019 um 06:02 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 18.06.2019, 13:27:26