Ostereier von glücklichen Hühnern? Nur unter einer Bedingung

Gepostet am 13.04.2017 um 13:26 Uhr

Eier von glücklichen Hühnern, das wünschen sich die Verbraucher zur Osterzeit. Doch auch wenn man bei rohen Eiern zur Bioware greift – durch viele andere Produkte landen immer noch Käfigeier auf unseren Tellern.

Eigentlich sollten die Verbraucher ja endlich Transparenz beim Einkaufen bekommen. Seit 2005 müssen alle in der EU produzierten Eier einzeln mit einem Buchstaben- und Zahlen-Code gekennzeichnet werden. Dessen erste Ziffer informiert über die Haltungsform, in der das Huhn sein Ei gelegt hat:

Die 0 steht für Eier aus Biohaltung, der tierfreundlichsten Haltungsform. Mit 1 und 2 gekennzeichnete Eier kommen aus Freiland- bzw. Bodenhaltung. Bei einer 3 wurde das Ei in der sogenannten Kleingruppenhaltung gelegt. Dort leben die Hühner in Käfigen, in denen sie nur ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit haben. Diese Haltungsform ist sehr umstritten. Die Haltung in Legebatterien ist in Deutschland nicht mehr erlaubt.

Eierhaltige Produkte nicht gekennzeichnet

Klingt zunächst einmal so, als könne der Endverbraucher nun entscheiden, welche Haltungsform er mit seinem Kauf unterstützen möchte. Für rohe Eier trifft das auch zu. Wenn sie aber zum Beispiel gekocht und eingefärbt verkauft werden, ist das schon nicht mehr möglich. Sobald ein Ei verarbeitet wird, sei es in Nudeln, Mayonnaise oder eben bunten Ostereiern, entfällt die Kennzeichnungspflicht. Woher die Eier stammen, die in den Produkten verwendet wurden, kann der Kunde im Supermarkt nicht herausfinden.

„Für die meisten Produkte werden Eier aus Kleingruppenhaltung verwendet“, erklärt Philipp Evenburg vom Deutschen Tierschutzbüro. „Das ist eine tierquälerische Haltungsform, die wir eigentlich abgeschafft sehen wollen“. Tatsächlich soll die Kleingruppenhaltung in Deutschland bis 2025 verboten werden. Laut statistischem Bundesamt wurden 2016 nur noch rund 10 Prozent der Legehennen in Kleingruppen gehalten. Tierschützer Evenburg gibt aber zu bedenken, dass auch Eier aus dem Nicht-EU-Ausland in deutschen Nahrungsmittelfabriken landen, bei denen die Standards weitaus niedriger sind: „So verspeisen wir immer noch massenhaft Käfigeier, obwohl wir das gar nicht wollen.“

Keine klaren Zahlen

Doch wie viele solcher Eier kommen eigentlich nach Deutschland? Vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung waren dazu in der Woche vor Ostern keine Informationen zu bekommen. Auch Bundesminister Christian Schmidt (CSU) war in der Ferienwoche nicht zu einem Statement bereit. Anfragen bei den Verbänden der Geflügelwirtschaft, der Lebensmittelindustrie und dem Lebensmittelhandel haben das klassische „Weiterleitungskarussell“ in Gang gesetzt: Niemand fühlt sich zuständig und am Schluss wird man auf den Verband verwiesen, bei dem man zu allererst angefragt hat. Wie viele Käfigeier nun tatsächlich noch auf unseren Tellern landen, ist ungewiss.

Verbraucherschützer fordern daher eine Ausweitung der Kennzeichnungspflicht. Demnach soll auf allen Produkten, in denen Eier verarbeitet wurden, die Haltungsform offengelegt werden. Auf Anfrage beim Bundeslandwirtschaftsministerium heißt es dazu nur schriftlich: „Eine rechtliche Lösung auf europäischer Ebene ist derzeit nicht durchsetzbar“. Landwirtschaftsminister Schmidt hatte in der Vergangenheit bereits mehrmals betont, dass er auf eine freiwillige Kennzeichnung in der Lebensmittelindustrie setzt. Tatsächlich stehen bereits viele eihaltige Produkte in unseren Supermärkten, auf denen die Herkunft der Eier angegeben ist. Auf den meisten Lebensmitteln fehlt die freiwillige Kennzeichnung aber.

Für die Verbraucher heißt es also: Genau hinschauen! Bis sie mit komplett reinem Gewissen zu Eierprodukten greifen können, dauert es noch. Aber zumindest fürs Osternest gibt es eine simple Lösung: Die Eier einfach selbst kochen und anmalen. Vielleicht etwas aufwändiger, aber auf jeden Fall tierfreundlich.

Zuletzt aktualisiert: 28.04.2017, 02:34:28