Ostdeutschland: “Weder ödes Jammertal, noch blühendes Paradies”

Gepostet am 06.09.2017 um 16:14 Uhr

Auch 27 Jahre nach der Deutschen Einheit hinkt Ostdeutschland noch Westdeutschland hinterher. Die neuen Bundesländer sind weiter auf Hilfe angewiesen – allerdings gleichen sich die Zahlen langsam an.

Das geht aus dem neuen Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit hervor, den die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, in Berlin vorgestellt hat. So lag die Arbeitslosenquote im Osten 2016 bei 8,7 Prozent, im Westen dagegen nur bei 5,7 Prozent. Die ostdeutsche Wirtschaftsleistung lag im Schnitt bei 73,2 Prozent des westdeutschen Wertes.

Gleicke betont, dass sie nicht desillusioniert von der Entwicklung sei. “Der Osten ist weder ein ödes Jammertal, noch ist er ein blühendes Paradies”, betont sie. Die Wahrheit liege dazwischen und es gebe noch jede Menge zu tun. Der Aufholprozess sei in den vergangenen Jahren verhalten. Das liege hauptsächlich an den Fehlern, die größere Unternehmen im Osten gemacht hätten, nicht an den Ostdeutschen selbst. “Die Menschen im Osten sind nicht fauler, und sie haben nicht weniger kluge Ideen als die im Westen.”

Nicht zu unterschätzen sei außerdem die Wirkung, die der Brexit auf die Situation der ostdeutschen Länder haben könnte, also der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union:


Durch den Brexit wird die EU statistisch ärmer und Ostdeutschland statistisch reicher – und das dürfte bedeuten, dass Ostdeutschland weniger Fördergelder bekäme, zum Beispiel für Beschäftigung und Armutsbekämpfung. Deshalb, aber auch mit Blick auf das Auslaufen des Solidarpakts II und der damit verbundenen Fördergelder im Jahr 2019 sei daher eine wirksame Regionalförderung nötig.

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2017, 02:19:47