Alternativentwurf setzt auf Freiwilligkeit

Gepostet am 06.05.2019 um 05:01 Uhr

Eine Gruppe Bundestagsabgeordneter hat einen eigenen Entwurf für eine Reform des Organspendegesetzes erarbeitet. Mehr Aufklärung und regelmäßige Nachfragen sollen für mehr Spender sorgen. Von Bettina Nutz.

Eine Gruppe Bundestagsabgeordneter hat einen eigenen Entwurf für eine Reform des Organspendegesetzes erarbeitet. Mehr Aufklärung und regelmäßige Nachfragen sollen für mehr Spender sorgen.

Von Bettina Nutz, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn in Deutschland einem hirntoten Patienten ein oder mehrere Organe entnommen werden, muss dieser zu Lebzeiten eindeutig zugestimmt haben. Das tun aber immer noch viel zu wenige Menschen, während knapp 10 000 Schwerkranke auf ein lebensrettendes Herz, eine Lunge oder Leber warten.

Eine Reform soll das ändern. Doch wie immer sie aussieht: eine Organspende soll eine „bewusste und freiwillige Entscheidung“ eines Jeden bleiben. So die feste Überzeugung einer fraktionsübergreifenden Gruppe um die Grünen-Parteivorsitzende, Annalena Baerbock.

Sie will, dass die Bürger regelmäßig und verbindlich befragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. „Alle Menschen in unserem Land bekommen immer einen Perso. Dann sollte man verpflichtend abgefragt werden: möchten Sie Organspender sein oder nicht“, so Baerbock.

„Deutlich Grundgesetz-schonender“

Hinter dieser so genannten „wiederkehrenden Entscheidungslösung“ stehen auch Abgeordnete von SPD, FDP, Union, aber auch die Linken-Parteichefin Katja Kipping. Die Gruppe setzt im Kern auf mehr Beratung und ein Online-Register, um ein Ja oder auch ein Nein zur Spende möglichst einfach zu hinterlegen.

Beraten könnten demnach Hausärzte ihre Patienten alle zwei Jahre, so Baerbock in einem Zeitungsinterview. Sie ist überzeugt: Mit ihrem Gesetzentwurf werde Menschen, die ein Organ spenden wollten, die Entscheidung leicht gemacht.

Eine Widerspruchslösung, so, wie sie die Gruppe um CDU-Gesundheitsminister Spahn kürzlich vorgestellt hat, lehnt Baerbock ab: „Unser Vorschlag ist deutlich Grundgesetz-schonender, weil die Widerspruchslösung ein tiefer Eingriff in die Grundrechte ist“, sagt sie.

Lauterbach unterstützt Spahn-Entwurf

Der Spahn-Entwurf sieht vor, dass ein Volljähriger als Organspender gilt, solange er im Laufe seines Lebens nicht ausdrücklich widerspricht. Allerdings: wenn keine entsprechende Erklärung vorliegt, kann bei den Angehörigen nachgefragt werden.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist für Spahns Widerspruchslösung. Denn: in Umfragen sei zwar eine große Mehrheit bereit, ein Organ zu spenden, doch nur die Hälfte davon habe auch tatsächlich einen Organspendeausweis.

Diese große Lücke gelte es zu schließen: „Aus meiner festen Überzeugung geht das nur mit einer Widerspruchslösung. Das ist die einzige Möglichkeit“, so der SPD-Politiker.

Abstimmung ohne Fraktionszwang

Jedes Jahr würden um die 2000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan sterben, so Lauterbach. Gesundheitsminister Spahn ergänzte: Es gebe keine Pflicht zur Organspende, aber eine Pflicht, sich damit zu beschäftigen.

Auch die Parlamentariergruppe um Baerbock will, dass sich die Organspenderate in Deutschland verbessert. Doch die Freiwilligkeit müsse gewahrt bleiben. Nicht durch den Staat erzwungen werden.

Kirsten Kappert Gonther, grüne Gesundheitsexpertin und Ärztin, findet, es braucht das Vertrauen in das Transplantationssystem: „Das Vertrauen stärkt man durch gute Aufklärung und eben eine selbstbestimmte Entscheidung“, sagt sie.

Die Abgeordneten werden in den kommenden Monaten über Parteigrenzen hinweg die Gesetzentwürfe diskutieren. Eine Abstimmung wird es wohl im kommenden Herbst geben – ebenfalls ohne Fraktionszwang.

Zuletzt aktualisiert: 18.10.2019, 05:40:46