Organspende: Ein klares Ja zu einem klugen Alternativmodell

Gepostet am 06.05.2019 um 17:21 Uhr

Ein Vorstoß von Abgeordneten aus fast allen Fraktionen setzt auf mündige Bürger. Gut, dass es damit ein Alternativmodell zum Zwangsmodell von Gesundheitsminister Spahn gibt, kommentiert Bettina Nutz.

Gesundheitsminister Spahn hat den Zwang als Mittel der Politik entdeckt. Gerade heute ist ein Tag, an dem das besonders augenfällig wird:

Diffuse und berechtigte Ängste

Der Minister forciert zum einen seine Pläne für eine Masern-Impfpflicht und er verteidigt auch sein Konzept einer Widerspruchslösung bei Organspenden. Und auch wenn die Probleme sehr unterschiedlich sind, geht es doch in beiden Fällen um das Wohl der Anderen.

Doch bei der Organspende kann ein Zwang, wenn auch ein verkappter, nur falsch sein. Im Gegensatz zum Impfen gibt es beim Thema Organspende viele Tabus, es berührt das eigene Sterben, den eigenen Tod. Es löst bei den meisten Menschen diffuse und auch berechtigte Ängste aus. Gründe genug, warum die meisten Deutschen zwar spendewillig sind, aber viel zu wenige tatsächlich einen Organspendeausweis haben.

Weiterhin frei entscheiden

Genau da setzt die Parlamentariergruppe um die Parteichefin der Grünen Annalena Baerbock an. Der Geist ihres Reformmodells zur Organspende will, dass diese Mehrheit sich weiter frei entscheidet, sehr bewusst Ja oder Nein sagen kann. Auf der Grundlage von regelmäßiger, beharrlicher und kompetenter Information und Beratung. Ein kluges Konzept, dass auch die Vertrauenskrise in das Transplantationssystem überwinden will.

Jens Spahn will im Prinzip dasselbe, wählt aber einen Irrweg. Wer nicht zu Lebzeiten widerspricht, gilt als Spender. Das darf nicht zur Regel werden. Keine Zustimmung ist kein Ja.

Von mir gibt es ein klares Nein zum Zwang als Mittel der Politik. Der Staat soll ermutigen. Vor allem mit dem Signal, den Wunsch des Patienten am Lebensende unbedingt zu beachten und umzusetzen.

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2019, 03:05:03