“Mehr Zeit und Geld für Organspende”

Gepostet am 31.10.2018 um 13:49 Uhr

Gut 10.000 Patienten in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. Die Bundesregierung will die Zahl der Transplantationen deutlich erhöhen – und setzt dabei unter anderem beim Geld an. Von Martin Mair.

Gut 10.000 Patienten in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. Die Bundesregierung will die Zahl der Transplantationen deutlich erhöhen – und setzt dabei unter anderem beim Geld an.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Für Betroffene ist es eine Qual: das Hoffen auf ein Spenderorgan, das bange Warten, dass das Telefon klingelt. Ex-Fußballprofi Ivan Klasnic kennt diese Angst. Vor gut zehn Jahren versagten seine Nieren, erzählt der 38-Jährige bei Anne Will. Vor einem Jahr dann der erlösende Anruf: “Dann kam das Glück, dass ein Mensch leider verstorben ist, aber mir ein normales Leben gebracht hat”.

Gut 10.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Niere, eine Lunge oder ein Herz. Doch nicht einmal 800 Tote wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zu Organspendern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will das ändern. Das Kabinett hat heute ein Gesetz auf den Weg gebracht, dass an zwei Stellen ansetzt, so Spahn: “Es geht um mehr Zeit und mehr Geld für die Organspende, für die Organisation in den Krankenhäusern”.

Bessere Vergütung, stärkere Stellung

Konkret sollen Kliniken für Transplantationen besser vergütet werden, denn das Verfahren ist aufwendig: Zwei Spezialisten müssen den Hirntod feststellen, die Organentnahme und vor allem die Transplantation ist teuer – zum Teil mehr als 100.000 Euro. Zudem soll in Kliniken die Rolle der Transplantationsbeauftragten gestärkt werden. Es brauche Spezialisten, “die Zeit haben, Organspender zu identifizieren, die Zeit haben, die oft auch sehr schwierigen Gespräche mit den Angehörigen in der konkreten Situation zu führen”.

Häufig, so Spahn, würden mögliche Organspender nicht erkannt, weil behandelnde Ärzte die Transplantationsbeauftragen nicht informierten. Deshalb sollen sie künftig Zugang zur Intensivstation bekommen und vor allem das Recht, Patientenakten einzusehen.

Sorge um Datenschutz

Genau das stört Herbert Möller von der Deutschen Stiftung Patientenschutz: “Im Datenschutz unternehmen wir heute alles dafür, dass Menschen selbstbestimmt entscheiden können, wie ihre eigenen persönlichen Daten verwendet werden, nämlich nur mit Zustimmung”. Hier müsse Spahns Gesetzentwurf nachgebessert werden. Einsicht in die Krankenakten soll es nur mit Zustimmung der Betroffenen oder Angehörigen geben. Im Kern aber begrüßen auch Patientenschützer den Versuch, dass in Deutschland mehr Organe transplantiert werden.

Der heutige Vorstoß des Gesundheitsministers wird im Bundestag nicht auf nennenswerten Gegenwind stoßen. Anders seine Pläne für eine Widerspruchslösung – danach ist jeder ein potentieller Organspender, außer er widerspricht. Spahn möchte diese Regel in Deutschland einführen. Der Vorschlag ist quer über die Parteigrenzen hinweg umstritten.

Ex-Fußballprofi Klasnic hält die Widerspruchslösung für eine gute Idee. Doch wirklich am Herzen liegt ihm etwas anderes: “Ich glaube, das Wichtigste ist, dass jeder sich mal Gedanken darüber machen muss, möchte ich das oder möchte ich das nicht”.

Zuletzt aktualisiert: 13.11.2018, 03:29:33