„Amerikas Hoffnung und Trumps Alptraum“

Gepostet am 20.07.2019 um 12:48 Uhr

Sie gehört zu den vier demokratischen Kongressfrauen, die wiederholt zur Zielscheibe für Anfeindungen des US-Präsidenten wurden: Ilhan Omar. Janina Lückoff zeichnet die politische Karriere des einstigen Flüchtlingskinds nach.

Sie gehört zu den vier demokratischen Kongressfrauen, die wiederholt zur Zielscheibe für Anfeindungen des US-Präsidenten wurden: Ilhan Omar. Das einstige Flüchtlingskind mischt mit ihren jungen Jahren die US-Politik auf.

Von Janina Lückoff, ARD-Studio Washington

„Willkommen daheim“, wird Ilhan Omar in Sprechchören begrüßt, als sie am Flughafen von Minneapolis ankommt. Es ist die Antwort ihrer Fans auf die „Schickt sie zurück“-Rufe der Anhänger von Präsident Donald Trump auf einer Wahlkampf-Veranstaltung diese Woche.

Im US-Bundestaat Minnesota hat Omar, Kind somalischer Einwanderer, einen großen Teil ihrer Jugend verbracht, hier ging sie zur Schule, hier wurde sie amerikanische Staatsbürgerin. Und hier begann ihre politische Karriere.

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Von Mitschülern gemobbt

Omar ist zwölf, als sie und ihre Familie als Flüchtlinge in die USA kommen, zuvor hatten sie vier Jahre in einem Flüchtlingslager in Kenia verbracht. 

„Als wir dann hier waren, hat es noch sehr lange gedauert, bis wir die Aufenthaltsgenehmigung hatten und bis wir Staatsbürger werden konnten – und bis wir als Menschen angesehen wurden, die ein Recht haben, hier zu sein“, erzählt Omar.

Ihr Vater arbeitet zunächst als Taxifahrer, dann bei der Post. Sie wird von Mitschülern gehänselt und geschubst, wegen des Hijabs – das Kopftuch, das sie auch heute noch trägt. Mit 14 begleitet sie ihren Großvater zu Parteiveranstaltungen und übersetzt für ihn. Eine Erfahrung, die sie prägt: Omar studiert Politikwissenschaften und engagiert sich anschließend für die Demokraten in Minneapolis, organisiert Wahlkämpfe, berät Politiker. 

Mit 35 in den Kongress

Bis sie selbst antritt und gewinnt. Zunächst 2016 bei den Abgeordnetenwahlen in Minnesota, dann 2018 bei den Kongresswahlen; sie ist 35 Jahre alt. „Ich stehe vor Euch, als gewählte Kongressabgeordnete. Mit meinem Namen verbinden sich viele Premieren“, sagt sie.

Omar ist die erste dunkelhäutige Frau, die für Minnesota in den Kongress einzieht, und eine von zwei muslimischen Frauen, die erstmals in den Kongress gewählt wurden. Sie ist auch die erste, die einen Hijab im Kongress trägt und die erste somalisch-stämmige Abgeordnete. Das betont sie am Wahlabend bei ihrem Sieg, darauf ist sie stolz: „Hier in Minnesota heißen wir Flüchtlinge nicht nur willkommen, wir schicken sie auch nach Washington.“

Und dort mischt Omar die Demokraten auf, sorgt auch innerhalb ihrer Partei für Kontroversen, mit linken Positionen – die aus Sicht der Republikaner extrem links sind: „Wir könnten den Anstieg des Verteidigungshaushalts stoppen, seit 9/11 ist er um 50 Prozent gestiegen. Wir hatten so einen Anstieg nicht im Bildungsetat, nicht im Gesundheitsetat. Wir investieren nicht in das, was die Menschen betrifft. Und das würde unter unserer Führung nicht passieren.“

Kritik an Israels Siedlungspolitik

Sie setzt sich für Mindestlohn ein, für bezahlbare Wohnungen und für Gesundheitsvorsorge, sie kritisiert Trumps Einwanderungspolitik. Und immer wieder stellt sie die Siedlungspolitik Israels in Frage. Für Äußerungen, in denen sie die amerikanische Unterstützung für Israel kritisiert, entschuldigt sie sich später teilweise. Immer wieder macht sie aber deutlich: „Ich bin Amerikas Hoffnung und des Präsidenten Albtraum.“

Solche Äußerungen sind es, die Trump in seinen Angriffen auf Omar immer wieder aufgreift, erst am Freitag wieder: „Ich bin unglücklich über die Tatsache, dass eine Kongressabgeordnete antisemitische Sachen sagen kann. Ich bin unglücklich, wenn eine Kongressabgeordnete sagt, sie werde des Präsidenten Albtraum sein. Sie kann froh sein, dass sie da ist, wo sie ist.“

Trumps neue Hass-Figur: Wer ist Ilhan Omar?
Janina Lückoff, ARD Washington
12:10:00 Uhr, 20.07.2019

 

Korrespondentin

Janina Lückoff

Janina Lückoff
Hörfunkkorrespondentin

Der Bericht aus Berlin

ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 18.09.2019, 01:36:36