Ohne Fahrverbote wird es nicht gehen

Gepostet am 14.02.2018 um 17:14 Uhr

Brüssel macht Druck für saubere Luft – und die Bundesregierung erwägt, die kostenfreie Nutzung des ÖPNV zu ermöglichen. Klingt erstmal gut. Aber mit dem vielen Geld, das das kostet, sollte man lieber etwas anderes anfangen, meint Alex Krämer.

Gründe, sich morgens ins Auto zu setzen gibt es viele – dass es so schön billig ist, gehört sicher nicht dazu. Schon heute, mit Fahrkarte, ist es fast immer wesentlich günstiger, die Bahn zu nehmen. Aber: „Das Auto ist halt bequemer, ich hab keine Lust auf andere Leute, die Verbindung ist nicht so toll, ich weiß gar nicht, wie das mit dem Bahnfahren eigentlich geht und fahre schon immer mit dem Auto, und deshalb mach ich es weiterhin.“

So denken viele, und die meisten von ihnen wird man auch mit einem kostenlosen Angebot nicht erreichen. Vielleicht aber mit einem besseren. Mit ausgebauten Strecken, mit Vorfahrt an den Kreuzungen, dichteren Takten, schnelleren komfortableren Bahnen und Bussen. Dafür ist Geld nötig – auch die 12 Milliarden Euro jährlich, die die Verkehrsbetriebe mit Fahrkarten einnehmen.

Wenn es darum geht, zusätzliches Staatsgeld in das System zu pumpen, was ganz sicher richtig wäre, dann bitte in neue Linien, nicht in die Abschaffung der Fahrkarten. Denn der Nahverkehr wird ja schon gut genutzt, seit 20 Jahren steigen die Fahrgastzahlen, viele Strecken sind überlastet – da müssen wir ran, nicht an den Preis.

Autofahren anstrengender machen

Und, das zeigen Vorbilder vor allem aus dem Ausland: Wenn auf der einen Seite der Nahverkehr attraktiver wird, müssen die Städte auf der anderen Seite daran gehen, den Autoverkehr unattraktiver zu machen – zum Beispiel auf den Straßen wieder Platz für Radfahrer und Fußgänger bereit stellen, der ihnen in den autoseligen 60ern und 70ern weggenommen wurde. Auto fahren muss anstrengender werden, und Bahn fahren bequemer. Auch, wenn das im Autofahrerland Deutschland nicht sonderlich populär ist.

Schnell die Luft verbessern wird übrigens weder ein kostenloser noch ein viel besserer Nahverkehr. Denn beides ist nicht schnell umzusetzen. Ohne Fahrverbote für besonders dreckige Autos wird es vermutlich also nicht abgehen. Die werden am Ende aber Gerichte verhängen, weil die Politik sich nicht traut.

Zuletzt aktualisiert: 30.11.2020, 21:10:59