„Wir sind jetzt im Mittelfeld“

Gepostet am 10.09.2019 um 17:18 Uhr

Lehrermangel, Unterrichtsausfall, marode Schulen und übervolle Hörsäle – über das deutsche Bildungssystem wird viel geschimpft. International steht es aber gar nicht so schlecht da. Dennoch gibt es in der OECD-Bildungsstudie Kritik.

Lehrermangel, Unterrichtsausfall, marode Schulen und übervolle Hörsäle – über das deutsche Bildungssystem wird viel geschimpft. International steht es aber gar nicht so schlecht da. Dennoch gibt es in der OECD-Bildungsstudie Kritik.

Von Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio

Genau 561 Seiten umfasst der jährliche „Bildung auf einen Blick“-Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD ). Deutschland habe ein „gutes Bildungssystem“ und könne international „ganz gut bestehen“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek bei der Vorstellung des Berichtes in Berlin.

„Wir sind jetzt im Mittelfeld, und wir müssen an die Spitze, wenn wir wirklich innovativ bleiben wollen“, so die CDU-Politikerin.

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Spitze in den MINT-Fächern

An der Spitze liegt Deutschland im Bereich der sogenannten MINT-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Rund 40 Prozent aller Studienanfänger entscheiden sich für diese Fächer. Das sind so viele wie in keinem anderen der 36 OECD-Mitgliedsstaaten. Ein Abschluss in diesen Fächern lohne sich nicht nur finanziell, so Karliczek, sondern auch in puncto Jobsicherheit.

92 Prozent der Erwachsenen mit einem Informatik-Abschluss hätten eine Beschäftigung, so die Bildungsministerin. Ähnlich hoch sind die Quoten bei Ingenieuren (91 Prozent) und Naturwissenschaften (87 Prozent). „Da müssen wir uns nicht verstecken“, sagte Karliczek.

Die seit Jahren kontinuierlich steigenden Studentenzahlen in der Bundesrepublik machen sich in der Studie ebenfalls bemerkbar. Mittlerweile hat jeder Dritte in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren einen Studienabschluss. Damit liegt Deutschland aber immer noch deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 44 Prozent.

Duale System – „eine der traditionellen Stärken“

Ein Grund dafür ist das duale System bei der Berufsausbildung, „eine der traditionellen Stärken Deutschlands“, wie der stellvertretende OECD-Generalsekretär Ludger Schuknecht bei der Vorstellung des Berichts sagte. Auch eine abgeschlossene Berufsausbildung biete sehr gute Chancen auf einen Arbeitsplatz.

Ein Problem in Deutschland bleibt aber die hohe Zahl von Menschen ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung. Bei den 25- bis 34-Jährigen betrifft das jeden Zehnten. Zudem gehe nur etwas mehr als die Hälfte der Geringqualifizierten einer Beschäftigung nach, so die Studie. In dem Bereich bestehe „erheblicher Qualifizierungsbedarf“, sagte Schuknecht. Als positiv bewertet die Studie allerdings die überdurchschnittliche Bereitschaft in Deutschland, an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen – und zwar über alle Altersgruppen hinweg.

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Lob für frühkindliche Bildung

Gute Noten gibt die OECD Deutschland auch im Bereich der frühkindlichen Bildung. Hier investiert der Staat pro Kopf rund 14.650 Euro im Jahr. Das sind 34 Prozent mehr, als der Durchschnitt der anderen Vergleichsländer zur Verfügung stellt.

Nicht zufrieden ist die OECD jedoch mit den Ausgaben für Grundschulen. Ausgerechnet dort, „wo am ehesten Bildungsnachteile von Kindern ausgeglichen werden könnten, seien die Investitionen in Deutschland vergleichsweise niedrig“, heißt es im Bericht.

Rechnet man alles zusammen, gibt Deutschland 4,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Bildung aus. Der Durchschnitt aller OECD-Staaten liegt bei fünf Prozent des BIP. Allerdings sei Deutschland im Umgang mit Bildungsausgaben „relativ effizient“, sagt Schuknecht. Das deutsche Bildungssystem sei „nicht unterfinanziert“, allerdings könne man „Prioritäten mal anders setzen“. Dass einige asiatische Länder wie Japan, Südkorea oder Singapur im OECD-Vergleich über Deutschland liegen, sollte seiner Meinung nach vor allem eins sein: Ansporn.

Über dieses Thema berichteten am 10. September 2019 die tagesschau um 15:00 Uhr und tagesschau24 um 15:15 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 01:59:47