Obama-Besuch: Du kommst hier nicht rein!

Gepostet am 18.11.2016 um 15:12 Uhr

Was für It-Girls das Berghain ist, ist für Journalisten die Pressekonferenz von Obama. Alle wollen hin, kaum einer kommt rein. Für Volontäre gilt daher, was für Typen in Joggern gilt: Türsteher sagt „Nö“.

So viel vorab: Ich wusste von Anfang an, dass ich Obama nicht allzu nah kommen würde. Ich bin Volontärin, sozusagen Journalistin in Ausbildung. Und gar eine Frage stellen? Bitte! Ich bin nicht nur Volontärin, ich bin auch realistisch veranlagt. Trotzdem! Barack Obama einmal live erleben…

Als vor über zwei Wochen der Startschuss für die Akkreditierung fiel, habe ich alles gegeben. Schnell beim Bundespresseamt (BPA) registriert – Geburtstag, Personalausweisnummer, E-Mail-Adresse und vieles mehr. Du willst es, du kriegst es, liebes BPA. Alle meine Daten, alles für Obama.

Akkredi-was?!

Und dann kommt der Moment, der mir jeglichen Wind aus den Segeln nimmt. Und er kommt in Form eines Buttons: „Akkreditiv hochladen“. Akkredi-was?! Zu Deutsch: Redaktionsbestätigung. Habe ich leider spontan nicht zur Hand – sollte aber kein Problem sein, man könne das Akkreditiv auch faxen, heißt es da. Alles klar, ich habe Zeit, denke ich, und drücke auf anmelden. Anmelden für Obama.

Da ist es 12:01 Uhr. Exakt 31 Minuten später teilt mir das BPA mit, dass meine Anmeldung gescheitert ist. Ohne Angaben von Gründen – ich habe so eine Ahnung, woran es liegt. Als ich ein paar Tage später mein druckfrisches Akkreditiv hochladen will, ist der Anmeldebutton ausgegraut. Es scheint: Ich bin zu spät für Obama.

YES SHE CAN!

Umgehend rufe ich das BPA an. Als ich meinen Nachnamen sage, weiß die Frau am anderen Ende sofort Bescheid. Sie sagt, sie schaltet mich frei – YES SHE CAN! Zwei Tage Warten, dann die Bestätigung: Ich darf zu Obama.

Eine weitere Woche warten, dann kann ich meinen Eventausweis beim BPA abholen. Er ist eindrucksvoll. Mit seinen Flaggen. Und mein Foto ist drauf. Und er ist eingeschweißt. Aufgeregt blättere ich durch das Presseprogramm – wo sehe ich Obama?

Hello, Mr. President. Goodbye, Mr. President.

Die Antwort: am Flughafen. Ich darf dabei sein, wenn die Air Force One ankommt. Und wenn sie abfliegt. Ich darf nicht zur Pressekonferenz. Oder zum Empfang im Kanzleramt. Oder zum Gespräch mit Merkel. Oder zum Treffen der Staatsregierungschefs. Oder zur Tour de Table. Dafür fehlen mir offenbar die Zusatzausweise P01 bis P05. Aha, so so. Zum Winken am Flughafen schaffe ich es aber leider nicht und das heißt: Nix Obama.

Aber, hey! Immer positiv bleiben. Es ist nicht so, dass ich nichts mitnehmen würde. Das Akkreditiv, unterzeichnet von Tina Hassel, und mein neuwertiger, nie genutzter BPA-Eventausweis kommen daheim an die Pinnwand. Can you say „score“?

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2017, 04:14:27