Die Mobilität der Zukunft: Für Altmaier noch nicht attraktiv genug

Gepostet am 10.04.2018 um 17:02 Uhr

Wie sieht Fortbewegung in der Zukunft aus? Das fällt zwar nicht in sein Ressort, Wirtschaftsminister Altmaier hat trotzdem eine Vision: Eine Art Facebook für Mobilität und Batterien „Made in Germany“. Marcel Heberlein berichtet.

Seine Rede beim “Future Mobility”-Kongress in Berlin begann Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gleich mit einer Klarstellung: Er sei zwar vier Mal mit “Herr Dr.” angesprochen worden, habe aber die Doktorarbeit nur begonnen und nie beendet – damit das morgen nicht falsch in der Zeitung stehe. Außerdem, und das hätte Altmaier auch gleich klarstellen können, ist er für Visionen zum Verkehr der Zukunft als Wirtschaftsminister ja höchstens peripher zuständig. Sagte er aber nicht. Und hielt stattdessen ein leidenschaftliches Plädoyer fürs Autofahren – gepaart mit einer Warnung:

“Das ist ein Konzept von Freiheit. Aber: Diese individuelle Mobilität wird nur überleben, wenn sie zugleich auch umweltfreundlich ist.”

Eine Mahnung an die Vertreter der deutschen Autoindustrie, die zahlreich im Publikum saßen.

Das Auto der Zukunft soll vom Markt entschieden werden – nicht von der Politik

Was das grüne Auto der Zukunft wird, ob es mit Batterie fährt oder mit Wasserstoff – das will der Wirtschaftsminister nicht selber bestimmen, sondern den Markt entscheiden lassen. Doch in eben diesem Markt, droht die deutsche Autoindustrie abgehängt zu werden. Von Firmen wie Tesla aus den USA. Altmaier sagt:

“Wenn es an mir wäre, würde ich sagen: Jeder zusätzliche Euro, den wir aus Steuerzahlermitteln ausgeben für Elektromobilität, ist daran gekoppelt, dass uns die Automobilindustrie ein Fahrzeug präsentiert, das zehn Kilometer mehr Reichweite hat als der Tesla und mindestens genauso gut aussieht.”

Und auch noch weniger kostet. Die Realität dagegen sieht anders aus: Die Kaufhilfe der Bundesregierung für E-Autos hat kaum jemand genutzt, es fehle an attraktiven Modellen, beschwerte sich der Wirtschaftsminister. Und an Kooperation. Eine App – anstelle von zehn verschiedenen – schwebt Altmaier vor: Ein Facebook für Mobilität quasi, jeder Service von Bus bis Bahn und Car Sharing sollte da drin sein. Das ist Zukunftsmusik.

Altmaiers Vorstellung: Batterien made in Germany

Sehr konkret wurde der Wirtschaftsminister dagegen beim vielleicht wichtigsten Teil der Mobilität von Morgen – der Batterie. Schnell müsse man auch in Europa mehr Batterien entwickeln, forderte Altmaier. Er will Investitionen an mehreren Standorten und “in der Größenordnung eines dreistelligen Milliardenbetrags” sehen. Bei der EU-Kommission will Altmaier sich dafür einsetzen, dass die Batterieproduktion künftig mehr gefördert wird – zum Beispiel indem man von der Umlage für erneuerbare Energien befreit werden kann, wenn man seine Batterien in Deutschland herstellt.

Nach all der Kritik hatte der Wirtschaftsminister dann also über Umwege auch für die deutsche Autoindustrie noch ein kleines Leckerli mitgebracht. Denn auch sie könnte sich ja durch neue Anreize überlegen, selbst in die Batterieproduktion einzusteigen.

Autor: Marcel Heberlein

Zuletzt aktualisiert: 20.04.2018, 08:56:08