Null Verständnis für Frauenquote null

Gepostet am 19.10.2016 um 18:07 Uhr

Zu allen Teilnehmerinnen der Konferenz der Frauen in Führungspositionen könnte man sagen: Sie haben’s geschafft. Doch auch die Chefinnen haben mit vielem zu kämpfen, berichtet Ulla Fiebig.

Fangen wir doch mal mit einem Resümee an: So ernsthaft, wie die Führungsfrauen sich hier bei ihrer Konferenz ausgetauscht haben, wäre es in einer Männerrunde nicht abgelaufen, sagt ein Mann, der dabei war. Und der muss es ja wissen. Dabei wollen die Frauen eigentlich weg von Geschlechter-Stereotypen, denn die machten den Job meistens nicht leichter.

Auch wenn man über alle Frauen, die ins Kanzleramt eingeladen waren, sagen könnte, dass sie es beruflich geschafft haben – an manchem beißen sie sich auch die Zähne aus. Teilzeit ist so ein Thema. Für Chefinnen erst recht.

Teilzeit sei eine Form der Selbstausbeutung, sagt Sigrid Nikutta, die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe und fünffache Mutter. Die gleiche Arbeit für weniger Geld. Sie könne das nicht empfehlen: „Ein Baby kann auch mal in einer Sitzung dabei sein. Das hindert nicht am Denken.“ Viel Zustimmung dafür in der Runde. Vor allem müssten Frauen endlich ihr schlechtes Gewissen loswerden, sie könnten als Führungskraft zu wenig arbeiten.

Job-Sharing scheint eine Möglichkeit zu sein. Einige Unternehmen machen das schon und sind damit zufrieden. Eine Abteilungsleiterin von Daimler berichtet davon. Chefposten seien damit bis zu 150 Prozent beplant, und es gebe so auch für mehr Beschäftigte Aufstiegsmöglichkeiten.

Im Bundeswirtschaftsministerium geht das auch, dass Leitungsfunktionen mit zwei mal 80 Prozent besetzt werden. Das schütze vor Selbstausbeutung, sagt einer der wenigen männlichen Teilnehmer, Staatssekretär Rainer Sontowski.

Es geht in der Runde mit Kanzlerin Merkel und Frauenministerin Schwesig auch um neue Lebensentwürfe und die nächste Generation. Die sei eher eine der „Führungsverweigerer“, weil sie das nicht mehr attraktiv finde, denkt Ulrike Kostka, Direktorin bei der Caritas. Die Diskussion der Führungsfrauen-Runde sei deshalb auch etwas nostalgisch. Dass Arbeit insgesamt viel flexibler werden müsse, da sind sich aber alle einig.

Und nochmal zurück zu den Stereotypen. Die Medien hätten daran auch schuld, heißt es. Immer noch würden sie, die starken Führungsfrauen, anders dargestellt und etwas anderes gefragt, als ihre männlichen Kollegen. Christine Strobl von der ARD-Degeto will das nicht einfach so stehen lassen.

Es passt ganz gut, dass mehrere Medienunternehmen gerade eine Studie zu Rollenbildern in Auftrag gegeben haben. Wie oft eine Frau in Filmen als Hausfrau vorkomme und wie oft als Managerin, ist nur eine Frage, der da nachgegangen wird. Über die Ergebnisse der Studie könnten die Führungsfrauen dann nächstes Jahr sprechen.

Die Kanzlerin schließt mit dem Hinweis, Fehler, die im Berufsleben gemacht werden, nicht zu überhöhen. Im Zweifel seien die in der Familienarbeit viel entscheidender.

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2018, 12:32:35