Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei der Umbenennung der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne. Foto: imago/localpic

Neue Vorbilder für die Bundeswehr

Gepostet am 28.03.2018 um 17:36 Uhr

Es war überfällig, dass sich die Bundeswehr klar von der Wehrmacht distanziert. Politische Gesinnung kann man zwar auch Soldaten nicht verordnen, aber man kann der falschen widersprechen. Ein Kommentar von Andrea Müller.

Das wurde aber auch Zeit. Und das nicht allein wegen Franco A. – dem Rechtsextremisten in Uniform. Der jetzt abgelöste Traditionserlass stammt aus dem Jahr 1982. Seitdem hat sich die Welt verändert und die Bundeswehr mit ihr. Der kalte Krieg ist zu Ende, die Truppe dient seit langem auch im Ausland. Tobias Lagenstein ist dafür ein gutes Beispiel. 2011 wurde der Feldjäger in Afghanistan getötet – er war der Personenschützer des damaligen Kommandeurs Markus Kneip. Lagenstein-Kaserne mit diesem Namen auf dem Kasernentor können die Soldaten in Hannover mehr anfangen, als mit dem eines längst vergessenen preußischen Generals aus dem 1. Weltkrieg.

Überfällige Abgrenzung von der Wehrmacht
Es war überfällig, dass sich die Bundeswehr von der Wehrmacht klar abgrenzt. Die taugt nicht als Vorbild – gut, dass das jetzt klar ist. Auch für diejenigen, die immer noch eine heimliche Bewunderung für die militärische Leistung hegen. Dass die Verteidigungsministerin sich den alten Traditionserlass in der Hektik der Franco-A.-Affäre vorgeknöpft hat, ist ein Schönheitsfehler Das war Aktionismus einer Ministerin, die unter Druck stand. Gut, dass wenigstens die Debatte über den Erlass breit und gründlich geführt wurde.

Politische Gesinnung kann man nicht verordnen
Das Ergebnis ist eine gute Grundlage für das Selbstverständnis der Soldaten. Es ist eine Basis für die politische Bildung in der Truppe, den Umgang mit Erinnerungsstücken aus alten Wehrmachtszeiten und es sollte Anstoß sein, sich von den verbliebenen zweifelhaften Kasernennamen endlich zu trennen.
Eins aber wird der Traditionserlass allein nicht verhindern können: Dass sich der ein oder andere – auch junge – Soldat dem alten Rommel immer noch näher fühlt als einem Tobias Lagenstein. Politische Gesinnung kann man nicht verordnen.

Das gilt für die Bundeswehr wie für den Rest der Gesellschaft. Der Wind hat sich gedreht. Dieses: „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ hört man hier wie dort. In der Bundeswehr kann es dagegen nur ein Mittel geben: Nicht wegsehen, sondern widersprechen, melden und im Ernstfall Konsequenzen ziehen.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2018, 21:06:22