Mehr Tempo für den Windstrom

Gepostet am 20.09.2018 um 12:32 Uhr

Der Ausbau der Netze zum Transport von Windstrom soll beschleunigt werden. Wirtschaftsminister Altmaier spricht mit den Länderkollegen über seine Vorschläge. Doch es gibt Widerstand gegen die Pläne. Von Dirk Rodenkirch.

Der Ausbau der Netze zum Transport von Windstrom soll beschleunigt werden. Wirtschaftsminister Altmaier spricht mit den Länderkollegen über seine Vorschläge. Doch es gibt Widerstand gegen die Pläne.

Von Dirk Rodenkirch, ARD-Hauptstadtstudio

Stromleitungen von insgesamt 7700 Kilometern müssen gebaut werden. Realisiert wurden bisher rund 1000 Kilometer. „Im Augenblick haben wir überall Verzögerungen und manchmal sind es zwei oder drei Jahre. Das alles können wir uns für die Zukunft nicht mehr leisten“, stellte Wirtschaftsminister Peter Altmaier vor gut einem Monat fest, als er seinen Aktionsplan Stromnetz präsentierte.

Nach Gesprächen mit betroffenen Bürgern erkannte er aber auch: „Wir haben es mit einem Thema zu tun, wo man selten alle glücklich machen kann, denn Leitungen lösen nur bei wenigen Menschen Glücksgefühle aus.“

Stromleitungen alternativ in der Erde

An vielen Orten wird deshalb auf den Bau neuer Masten verzichtet, Stromleitungen werden stattdessen in die Erde gelegt. Das dauert deutlich länger und kostet viel mehr. Dennoch: Altmaier gibt sich zuversichtlich, mit seinem Aktionsplan mehr Tempo in die Sache zu bringen. Unter anderem durch vereinfachte Planungsverfahren.

„Wenn wir bestehende Trassen haben und auf schon vorhandenen Strommasten die Kapazität erhöhen, dann ist die Frage, ob man nicht so weit wie möglich auf langwierige, zusätzliche Genehmigungsverfahren verzichten kann.“ Altmaier will auch das Vorschlagsrecht der Länder beschränken. Denn diese können alternative Pläne für Stromtrassen vorlegen. Das soll künftig aber nur noch zu Beginn der Planungen möglich sein.

Länder unterstützen Pläne – gegen Einschränkung von Rechten

Energieminister aus neun Ländern machten zwar schon vor dem Netzgipfel klar: Generell unterstützen sie Altmaiers Pläne. Sie lehnen es aber ab, dass Länderrechte eingeschränkt werden sollen.

In einem Brief an den Minister machen unter anderem Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz auch eigene Vorschläge, wie der Netzausbau beschleunigt werden kann. Den Netzgipfel halten sie für eine gute Idee, wie aus dem Schreiben hervorgeht: „Wir regen daher an, das Format ‚Netzgipfel‘ unter Einbeziehung der Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur zu verstetigen, um den Fortgang des Netzausbaus gemeinsam auf höchster Ebene regelmäßig zu überprüfen und geeignete Steuerungsmaßnahmen vornehmen zu können.“

Die Länder fordern zudem, dass von dem Netzgipfel ein klares Signal ausgeht, dass Bund und Länder ihre Verantwortung ernst nehmen und der Netzausbau nicht weiter verschleppt wird.

Entschädigung der Landwirte unklar

Altmaier kündigte an, Bürgerinitiativen und den Bauernverband nach Berlin einzuladen. Um mit ihnen über Probleme zu reden, die bei Netzausbauprojekten entstehen. Unklar ist unter anderem, wie Landwirte in Zukunft entschädigt werden sollen, wenn auf ihrem Grund und Boden Stromleitungen installiert werden.

Sicher dagegen ist laut Altmaier: „Wenn es die Leitungen nicht gibt, dann können wir den sauberen Strom wegschmeißen.“ Denn nur, wenn die Nord-Süd-Tassen fertiggestellt werden, kann der Anteil erneuerbarer Energien wie geplant auf 65 Prozent des Stromverbrauchs erhöht werden. Dieses Ziel unterstützen auch die Länder in ihrem Papier zum Netzgipfel.

Netzgipfel zum Ausbau der Stromnetze
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
11:36:00 Uhr, 20.09.2018

Zuletzt aktualisiert: 24.08.2019, 14:28:29