Nach dem Anschlag: Keep calm and carry on!

Gepostet am 22.12.2016 um 11:14 Uhr

Wenn die letzten Tage nach dem Anschlag in Berlin etwas gezeigt haben, dann, dass wir uns besser mit vorschnellen Urteilen zurückhalten. Lassen wir die Behörden erst einmal ihre Arbeit machen, fordert Anna Engelke.

“Keep calm and carry on” – diese schöne britische Redensart habe ich in einem Radiobeitrag einer Kollegin gehört. Sie berichtete über die Stimmung auf einem Hamburger Weihnachtsmarkt nach dem Terroranschlag von Berlin.

“Keep calm and carry on” – zu Deutsch: “Bleib ruhig’ und mach’ weiter” – dieser Satz stammt von einem Propaganda-Poster, das die britische Regierung 1939 produziert hatte. Gedacht, um die Moral der britischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg zu stärken. “Keep calm and carry on” – diese Aufforderung passt auch gut in unsere Zeit.

Keine vorschnellen Urteile

Übersetzt heißt das: Lassen wir die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit machen. Und hoffen wir, dass sie dem richtigen Tatverdächtigen auf der Spur sind. Wenn die vergangenen Tage etwas gezeigt haben, dann, dass wir uns besser mit vorschnellen Urteilen zurückhalten. Was hatten wir uns nicht alle schon die Köpfe heiß geredet über den ersten Verdächtigen, den pakistanischen Asylbewerber, den die Ermittler aus Mangel an Beweisen wieder laufen ließen.

Auch Horst Seehofer hat es nicht gut getan, keine 24 Stunden nach der Terrorattacke von Berlin im Namen der Opfer eine Neujustierung der gesamten Flüchtlings- und Sicherheitspolitik in Deutschland zu fordern. “Das war keine besonders kluge Diskussion”, meinte sogar CDU-Mann Thomas Strobl, Innenminister in Baden-Württemberg und durchaus ein Hardliner in Sachen Innere Sicherheit.

“Wir kriegen euch” – das muss die Botschaft sein

Klar, die Informationen, die wir über die neue heiße Spur, den verdächtigen Tunesier, hören, werfen viele Fragen auf. Fragen nach dem Umgang mit sogenannten “Gefährdern”, die die Behörden als “brandgefährlich” einstufen oder nach missglückten Abschiebungen in die Maghreb-Staaten. Wichtige Fragen, kein Zweifel. Und es kommen sicherlich noch einige hinzu.

Ich bin dennoch dafür, erst einmal den Verdächtigen oder die Verdächtigen hinter Gitter zu bringen. Das ist das wichtigste Ziel – auch als Signal an die Angehörigen der Opfer und die Verletzten. “Wir kriegen euch” – das muss die Botschaft an die sein, die uns töten und weh tun wollen.

Videoüberwachung nützlich

Dann ist immer noch Zeit, darüber zu reden und auch zu streiten, was geändert und verbessert werden muss. Ich persönlich habe zum Beispiel nichts dagegen, die Video-Überwachung auszuweiten. Auch wenn damit wahrscheinlich keine Terroranschläge verhindert werden, so könnte es die Chancen bei der Aufklärung vergrößern.

Wie bei der Suche nach dem Mann, der eine junge Frau in einem Berliner S-Bahnhof einfach so die Treppe runtergetreten hatte. Das Video dieser Brutalo-Attacke machte im Internet die Runde und half schließlich, den Täter dingfest zu machen. Deswegen bin ich dafür, ruhig zu bleiben und weiterzumachen. “Keep calm und carry on”.

Zuletzt aktualisiert: 19.08.2018, 16:59:32