Nach Datenklau: Handeln statt Hysterie

Gepostet am 07.01.2019 um 16:43 Uhr

Der Datendiebstahl offenbart einige Versäumnisse und erfordert dringliches Handeln der Sicherheitsbehörden. Aber auch jeder Einzelne muss sich um den Schutz seiner Daten kümmern. Ein Kommentar von Frank Aischmann.

Vor 196 Jahren, ganz ohne Computer, empfahl Johann Wofgang von Goethe: „Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen“.

Also: Die leicht hysterische Anfangs-Aufregungswolke mal beiseite: Wie heißen nach dem Datenklau die vernünftigen Fragen, die zu weisen Antworten führen? Was lernen wir aus Diebstahl und Veröffentlichung der Daten von fast 1000 Politikern, Promis und Journalisten?

Die Kurzantwort: Es gibt eigentlich wenig Neues.

Gründlichkeit vor Tempo

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt „mit Hochdruck“. Folgen werden wohl weitere Durchsuchungen, vielleicht Festnahmen, jedenfalls der übliche Gang der Strafverfolgung sein. Gründlichkeit vor Tempo, das kann also etwas dauern.

Weshalb markige Forderungen verpuffen werden – wie die heute von FDP-Vize Kubicki in der „Rhein-Neckar-Zeitung“ vorgetragen: „Diese kriminellen Taten müssen schnell und energisch aufgeklärt werden!“ Ja, was denn sonst?

Wenig Neues auch vom Bundesinnenminister, und ich finde, der macht es diesmal richtig: Horst Seehofer will erst Mitte der Woche, dann aber mit belastbaren Fakten statt mit Vermutungen an die Öffentlichkeit gehen, verspricht volle Transparenz. Ein guter Plan – zumal auch der zuständige Minister erst am Freitag vom Datenklau erfuhr, und damit Wochen, nachdem diese teils sensiblen Informationen im Netz abrufbar waren.

Wer hat geschlafen?

Und damit direkt zur vernünftig klingenden Kernfrage: Wer trägt die Schuld, wer hat gepennt bei dem, was Linken-Chef Riexinger heute einen Behördenskandal nannte?

Auch hier ist es noch zu früh für eine weise Antwort, auch wenn sich das BSI durch den missglückten medialen Auftritt seines Chefs Arne Schönbohm selbst ins Fadenkreuz der medialen Kritik manövriert hat. Auch andere hätten die Datensätze früher finden müssen – plus Wege, ihre Verbreitung einzugrenzen – der Verfassungsschutz zum Beispiel, das BKA, alle zusammen im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum, es scheint ohnehin Doppelarbeit zu geben in der Welt der deutschen Cyber-Sicherheitsstrukturen.

Nicht nur auf den Staat vertrauen

Apropos Cyber: In der Cyber-Sicherheitsstrategie der Regierung heißt es: „Die Digitalisierung eröffnet Chancen, birgt Risiken und braucht daher Vertrauen.“

Dieses nun erneut angekratzte Vertrauen wird der Staat allein jedoch nicht liefern können, selbst mit den bereits geforderten Lösungsansätzen straffere Strafgesetze, neue Auflagen für soziale Netzwerke und natürlich mehr Personal.

Wer Gedankenpolizei und staatliche Big-Brother-Strukturen ablehnt, für den heißt die eigentliche vernünftige Frage nach dem Datenklau, frei nach John F. Kennedy: „Frage nicht, was der Datenschutz für Dich tun kann, sondern was Du konkret tun musst für mehr Datenschutz.“

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2019, 13:56:58