Besser gemeinsam als alleine laufen

Gepostet am 17.02.2019 um 15:46 Uhr

US-Vizepräsident Pence erwartet Gefolgschaft, Kanzlerin Merkel dagegen will Kooperation. Die USA und Europa trennt einiges, aber verbindet auch vieles. Grund genug für eine gemeinsame Politik, meint Christoph Prössl.

US-Vizepräsident Pence erwartet Gefolgschaft, Kanzlerin Merkel dagegen will Kooperation. Die USA und Europa trennt einiges, aber verbindet auch vieles. Das könnte die Basis für eine gemeinsame Politik sein.

Ein Kommentar von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

„In weiter Ferne so nah“- mit diesem Filmtitel lässt sich ganz passend beschreiben, wie es gerade im Verhältnis der Europäer und insbesondere Deutschlands zu den Amerikanern steht.

Noch nie war die Delegation des US-Kongresses so groß wie in diesem Jahr, noch nie waren die Differenzen zwischen der US-Regierung und den Europäern so deutlich erkennbar wie derzeit.  

Pence: Breitbeinig und für US-Führung

Das wurde besonders deutlich, als Vizepräsident Mike Pence im bayerischen Landtag vor Teilnehmern der Sicherheitskonferenz bei einer Preisverleihung sprach. Er überbrachte Grüße von US-Präsident Donald Trump, hielt inne, erwartete offensichtlich Applaus. Aber was folgte, war ohrenbetäubende Stille.

Auf der Sicherheitskonferenz trat Pence breitbeinig auf, beanspruchte die amerikanische Führung in der Weltpolitik, erteilte der internationalen Zusammenarbeit eine Absage. Der US-Regierung geht es um Gefolgschaft, nicht Gemeinschaft.

Merkel: Keine Schärfe und für Kooperation

Den Kontrapunkt setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel. In einer herausragenden Rede präsentierte sie europäisches Selbstbewusstsein ohne unnötige Schärfe zu verbreiten. Merkel sprach für den Freihandel, für den Erhalt von Vereinbarungen zur Abrüstung und für eine engagiertere europäische Außenpolitik.

Und die Bundesregierung zeigt sich resistent gegen die Forderungen, noch mehr Geld in die Verteidigung zu stecken. Für diese Rede erhielt Merkel viel Applaus, stehende Ovationen sogar. Zwei Momente – ein fehlender und ein euphorischer Beifall beschreiben das Verhältnis der Europäer und der Amerikaner zueinander ganz gut.

Kanzlerin Merkel wurde erneut zur Botschafterin des Multilateralismus, der Kooperation auf internationaler Ebene. Es geht darum, mit den Nationen gemeinsam Lösungen zu suchen, mit denen die Europäer viel verbindet.

Nicht jeden Weg mitgehen

Um es ganz deutlich zu sagen: Die USA sind wahrscheinlich der wichtigste Partner der Europäischen Union. Aber deswegen müssen die Europäer nicht jeden Weg mitgehen. Das Atom-Abkommen mit dem Iran zu retten, wäre wichtig. Es eröffnet die Möglichkeit, eine atomare Aufrüstung zu verhindern. Der amerikanische Weg, die Sanktionen durchzusetzen, dürfte die Lage nur weiter verschärfen.

Europa und USA verbindet vieles

Das ändert aber nichts daran, dass die Europäer mit den USA vieles verbindet: Beide wollen die Rolle des Iran in Syrien nicht dulden, beide erkennen eine Bedrohung Israels, beide kritisieren die Lage der Menschenrechte im Iran. Es wäre eine Option für die US-Regierung, diese Positionen als Basis einer gemeinsamen Politik zu begreifen und gemeinsam zu handeln.

Multilateralismus sei kompliziert, aber immer noch besser, als alleine zu laufen, sagte der republikanische Senator Lindsey Graham auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Das habe er Trump so mitgeteilt. Merkel griff das Zitat in ihrer Rede auf. Es könnte auch der Appell sein, der von dieser Konferenz ausgeht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2019 um 15:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 21.03.2019, 02:45:55