Mobilfunk in Deutschland: Unternehmen in der Verantwortung

Gepostet am 02.01.2019 um 16:58 Uhr

Vodafone, Telefónica (O2) und die Telekom klagen gegen die Kriterien für die Vergabe der 5G-Mobilfunklizenzen. Die Mobilfunkunternehmen halten unter anderem die Vorgaben für die Versorgung mit schnellem Internet für zu streng. Die Bundesnetzagentur hatte die Regeln im November vergangenen Jahres verabschiedet, im Frühjahr sollen die Frequenzen versteigert werden.

Dass die Mobilfunkunternehmen gegen die 5G-Regeln klagen, ist ihr gutes Recht. Ihren Kunden gegenüber ist es aber ganz schön dreist. Denn die Mobilfunknetze in Deutschland gehören zu den schlechtesten in Europa, wie erst vergangene Woche wieder eine Vergleichsstudie gezeigt hat. Und: Die Vorgaben der Bundesnetzagentur sind durchaus realistisch, um nicht zu sagen lasch.

Warum nicht schon Standard?

Das zeigt sich an zwei Punkten, über die sich die Mobilfunkunternehmen besonders beschweren. Erstens: die Auflagen für die Versorgung mit schnellem mobilem Internet. Ja, die sind strenger als bisher. Aber sie sind in weiten Teilen auch mit 4G erreichbar. Mit Geschwindigkeiten also, die schon längst Standard sein sollten.

Und zweitens: die vermeintliche Pflicht, Kunden anderer Anbieter gegen eine Gebühr ihr Netz nutzen zu lassen. Diese Pflicht steht in den Vorgaben der Netzagentur überhaupt nicht drin. Dort ist nur von einem Verhandlungsgebot die Rede. Das heißt: Anbieter müssen mit ihren Wettbewerbern reden und dürfen sie nicht diskriminieren. Doch selbst gegen diese Minimallösung wehren sich die Konzerne.

Schnelles Internet ist bitter nötig

In diesen Punkten hätten die Vorgaben aus Sicht der Kunden weit strenger sein können. Schnelles Internet ist in Deutschland bitter nötig. Und die Pflicht zur Netzöffnung würde Handynutzern helfen, wenn sie mit ihrem Anbieter im Funkloch sind. Die Netzbetreiber hingegen sollten froh sein, dass sie so billig davongekommen sind. Statt jetzt zu klagen, sollten die Konzerne ihre Energie lieber darauf verwenden, ihre Kunden endlich ordentlich mit Mobilfunk zu versorgen.

Autor: David Zajonz, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 16:58:22