Kieler Werften gegen Niederländer

Gepostet am 07.08.2018 um 17:00 Uhr

Im Bieterverfahren um den Auftrag für neue Marine-Schiffe haben zwei deutsche Konkurrenten ihre Zusammenarbeit angekündigt. Denn geht der Auftrag in die Niederlande, drohen Jobverluste. Von Christoph Prössl.

Im Bieterverfahren um den Auftrag für neue Marine-Schiffe haben zwei deutsche Konkurrenten ihre Zusammenarbeit angekündigt. Denn geht der Auftrag in die Niederlande, drohen Jobverluste.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio Berlin

Die Kieler Werft German Naval Yards will Mitarbeiter von thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) einbinden, um bei einer Ausschreibung der Bundeswehr eine bessere Position gegen die niederländische Damen-Werft zu haben.

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hat über 7000 einzelne Punkte definiert, die die Werften für ein neues Mehrzweckkampfschiff (MKS 180) der Marine erfüllen müssen. Die Ausschreibung läuft, bis Ende des Jahres müssen die verbliebenen beiden Bieter das letzte bindende Angebot unterbreiten.

Auftragswert: 3,5 Milliarden Euro

Ingenieure arbeiten die Anforderungen durch und beschreiben für das Angebot, wie die Unternehmen die Wünsche der Marine umsetzen wollen. German Naval Yards unterzeichnete in der vergangenen Woche mit thyssenkrupp Marine Systems eine Vereinbarung. Die beiden Konzerne wollen zusammen arbeiten. Das kündigte der Geschäftsführer von German Naval Yards, Jörg Herwig, im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio an.

Aus Konkurrenten werden nun Partner. TKMS hatte gemeinsam mit der Lürssen-Werft für das neue Schiff der Marine geboten, war aber aus dem Bieterverfahren ausgeschieden. “Wir wollen das Angebot dahingehend stärken, dass die TKMS mit ihren Fähigkeiten – und mit ihren Ingenieuren im Bereich des Waffen- und Führungssystems – uns unterstützt”, sagte Herwig. Ziel sei es, das “best and final offer” (das letzte, bindende Angebot, Anm. d. Redaktion) bis Ende des Jahres herstellen zu können.”

Konkurrenz aus den Niederlanden

Wie viele Mitarbeiter von TKMS künftig am Projekt MKS 180 beteiligt sein sollen, sagte Herwig nicht. TKMS beschäftigt insgesamt rund 3700 Personen. Auf jeden Fall stärkt German Naval Yards mit diesem Schritt seine Position. Der Konzern muss sich gegen Blohm+Voss und die niederländische Damen-Werft durchsetzen. Die beiden kooperieren ebenfalls und wollen bis Ende des Jahres auch ein gemeinsames Angebot abgeben.

Die Ausschreibung ist längst politisch, weil viele Bundestagsabgeordnete befürchten, dass dieser größte jemals erteilte Auftrag für die Marine ins Ausland gehen könnte.

Die Gewerkschaften befürchten Arbeitsplatzverluste. In der Branche heißt es, wenn der Auftrag nicht in Deutschland bleibt, verlören die hiesigen Werften das Wissen und die Fertigkeiten, derart große Schiffe für die Marine zu bauen. Und Tausende Arbeitsplätze bei den Werften und bei zahlreichen Zulieferbetrieben seien in Gefahr.

Deutsche Unternehmen im Nachteil

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte den Auftrag für die vier Schiffe europaweit ausschreiben lassen, zum Unmut vieler Politiker. Johann Saathoff, Bundestagsabgeordneter der SPD aus Ostfriesland sagte dazu sinngemäß, dass nur die Deutschen europaweit ausschreiben würden, während andere Länder ihre Aufträge national vergäben – das Nachsehen hätten deutsche Unternehmen.

Deutsche Schlüsseltechnologie

Im Koalitionsvertrag steht, dass der Überwasserschiffbau als Schlüsseltechnologie definiert werden soll. Das bedeutet, künftig müssten Marineschiffe eben nicht mehr europäisch ausgeschrieben werden. Doch für das laufende Verfahren kann dieses Ziel nicht mehr umgesetzt werden.

Nachdem TKMS aus dem Bieterverfahren ausgeschieden war, meldete das “Handelsblatt”, dass der Mutterkonzern thyssenkrupp die Trennung von der Werftensparte prüfe. German Naval Yards will jedoch nicht kaufen. “Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Vereinbarung bezieht sich allein auf das Projekt MKS 180 – sowohl für die Angebotserstellung der letzten Runde als auch für die exekutive Umsetzung des Vorhabens zur Herstellung von vier Schiffen”, sagte Geschäftsführer Herwig.

In den vergangenen Wochen erlebte die Belegschaft des Mutterkonzerns von TKMS, thyssenkrupp, lebhafte Tage: Der Vorstandsvorsitzende verließ das Unternehmen wegen Unstimmigkeiten mit Anteilseignern. Eine Zerschlagung des Konzerns stand im Raum. Sollte das Konsortium von German Naval Yards und TKMS den Zuschlag bekommen, könnte das auch Ruhe für die Schiffbausparte des Konzerns bedeuten.

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 14:20:51