Ist Sigmar Gabriels Mission gescheitert?

Gepostet am 04.10.2016 um 12:09 Uhr

Kurzfristig ist einer der wichtigsten Gesprächstermine von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Teheran gestrichen worden. Ein Reisebericht von Karin Dohr.

Tag 2 in Teheran. Keine guten Nachrichten für Wirtschaftsminister Gabriel. Der ursprünglich geplante Besuch mit dem iranischen Parlamentspräsidenten Laridschani wird kurzfristig abgesagt, vorerst ohne offizielle Begründung. Laridschani ist ein einflussreicher Mann, nicht zuletzt Mitglied einer mächtigen Familie. Laridschanis Bruder, seines Zeichens Justizchef, hat bereits gestern in den iranischen Medien gegen Gabriels Besuch gewettert: Gabriel habe Iran kritisiert – er hätte ihn gar nicht erst ins Land gelassen. Ob das zur Absage geführt hat? Das können wir Gabriel persönlich erst auf dem Rückflug fragen – denn vorher ist keine Pressebegegnung mehr angesetzt.

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Warten auf Neuigkeiten: ARD-Korrespondentin Karin Dohr und Hörfunkkollegin Angela Ulrich in Teheran/Iran.

Presse und Wirtschaftsdelegation besuchen einstweilen den Golestanpalast, einst Regierungssitz des persischen Monarchen. Fotos sind nur an einigen Stellen erlaubt.

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Zwei Geistliche im Park des Golestan-Palastes in Teheran/Iran.

Rund um den Palast stehen öffentliche Gebäude und Regierungsstellen – und da herrscht strenges Foto-Verbot. Apropos Verbot – und aus der Reihe “Dinge in Iran, die mir gar nicht fehlen werden”: Der Hinweis, der auf dem Smartphone erscheint, wenn man eine nicht genehmigte ausländische Website starten möchte. Also etwa viele deutsche und internationale Nachrichten-Seiten. “Gefiltert” – heißt es dann immer. Soll vielleicht netter klingen als “gesperrt”.

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Hinweis für eine nicht genehmigte Webseite in Farsi.

Gilt ja auch für Twitter – was schade ist, unter anderem weil ich zwischendurch gerne sehen würde was Präsident Rohani auf seinem Twitter-Account verbreitet. Interessanterweise klappt bei mir die Twitter-Verbindung häufig, wenn wir im Auto unterwegs sind. Was einen Kollegen zur scherzhaften Vermutung veranlasst, dass deshalb ständig Stau herrscht auf Teherans Straßen…

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Stau in Teheran/Iran

Kleine lokale Presseschau: der Besuch Gabriels und die Unterzeichnung von zehn Wirtschaftsverträgen werden berichtet. Mit interessanten Details: Die dargestellte Gestik von Gabriel und seinem iranischen Amtskollegen schwankt zwischen “Ich erklär Dir das hier mal”

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Tehran Times vom 04.10.2016

und “Wir wollen in die gleiche Richtung und sind uns völlig einig”.

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Tehran Times vom 04.10.2016

Die Überschrift hier lautet sowas wie “Arische Beziehungen in Wirtschaft wiederbelebt”. Die gemeinsamen “arischen” Wurzeln von Deutschen und Iranern wurden in der Berichterstattung hier häufig bemüht.

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Auf dem Weg zum Flughafen setzen die Kollegen noch schnell die letzten Berichte ab – wie fast immer im Delegationsbus, geschnitten und geschrieben wird auf dem Laptop den man sich auf den Schoß packt. Berichte und Einschätzungen gibt’s dann in Print, online und TV. Die kommen vor uns an, auf uns warten knapp fünf Stunden Rückflug.

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Schnitt im Auto – Teheran/Iran.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2018, 09:56:04