Bundeskanzlerin Merkel und der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich bei einer Konferenz im April 2017. Foto: Imago/ Rainer Weisflog

Merkels Macht zerbröselt langsam

Gepostet am 19.10.2017 um 14:40 Uhr

Stürzt Stanislaw Tillich mit seiner Rücktrittsankündigung Angela Merkel in die Krise? Die Union hat lange still gehalten – bis jetzt. Ein Kommentar von Stephan Ueberbach.

Das ist ein Paukenschlag. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich schmeißt hin. Weil die CDU in Sachsen bei der Bundestagwahl abgeschmiert ist. Nur noch Platz 2 hinter der AfD. Ausgerechnet im ostdeutschen CDU-Vorzeigeland. Eine Katastrophe. Auch für die Kanzlerin. Denn die trägt wegen ihrer Flüchtlingspolitik die Hauptschuld am Niedergang der Union. Heißt es in Sachsen. Und nicht nur da.

Plötzlich Kritik an Merkel
Ich kann nicht erkennen, was wir hätten anders machen sollen – hat Angela Merkel nach dem miserablen Wahlergebnis verkündet. Und viele Unionsleute regelrecht verstört. Riesenverluste für CDU und CSU, die AfD zweistellig im Bundestag, die einzige Machtoption ein schwarz-gelb-grünes Experiment – und die Kanzlerin macht einfach weiter, als wäre nichts passiert?

Die Union hat lange stillgehalten. Bis jetzt. Mit dem Tillich-Rücktritt ist ein Ventil geöffnet. Plötzlich gibt es Kritik. Da hat sich was aufgestaut. Der CDU-Innenminister in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet ein Jamaika-Bündnis als Gefahr für die Innere Sicherheit – und tritt Angela Merkel damit vors Schienbein. Denn die kann nur mit Jamaika Kanzlerin bleiben. Autorität und politische Macht zerbröseln langsam.

Neidischer Blick nach Österreich

Der neue Ministerpräsident von Schleswig-Holstein will jetzt über die Zeit nach Merkel reden. Daniel Günther heißt der Mann. Der traut sich was. Bis vor kurzem in der CDU ein politischer Nobody. Jetzt ein Hoffnungsträger. Neidische Blicke gehen nach Österreich. Zu Sebastian Kurz, dem Superstar der Konservativen. Der hat seine Altherrenpartei auf Rechtskurs getrimmt und erfolgreich gemacht. Kurz ist 31. Ein Gesicht für die Zukunft.

Wo sind in Deutschland die neuen Köpfe? In der CSU rufen schon einige laut nach dem Rücktritt von Horst Seehofer. In der CDU ist das anders. Noch fordert keiner die Kanzlerin offen heraus. Noch nicht. Angela Merkel ist unangefochten. Solange sie gewinnt. Das heißt: Wenn sie Jamaika hinbekommt. Wenn nicht, ist ihre Zeit ganz schnell vorbei.

Zuletzt aktualisiert: 24.11.2020, 13:04:24