Zuversicht – trotz der Bedrohungen

Gepostet am 04.05.2019 um 00:46 Uhr

Drei Tage, drei Länder in Westafrika: Kanzlerin Merkel ist auf ihrer Reise in Burkina Faso, Mali und Niger mit jeder Menge Problemen konfrontiert worden. Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Von Angela Ulrich.

Drei Tage, drei Länder in Westafrika: Kanzlerin Merkel ist auf ihrer Reise in Burkina Faso, Mali und Niger mit jeder Menge Problemen konfrontiert worden. Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Niamey

Mariama Moussa strahlt über das ganze Gesicht. Die Leiterin einer Frauenorganisation in Niamey in Niger kann es kaum erwarten, die Kanzlerin über die staubige Baustelle zu führen. Ein Frauenhaus entsteht hier im roten Wüstensand.

„In Niger werden viele Frauen Opfer von Gewalt. Fast jede Dritte“, klagt die Frau im bunt gewebten traditionellen Gewand. „Die Mädchen werden hier sehr früh verheiratet. Niger ist damit trauriger Spitzenreiter in der Sahel-Region.“

Merkel unterstützt Frauenhaus

„Willkommen Angela Merkel“ rufen die Frauen, die sich in der Hitze versammelt haben. Die Kanzlerin wird begeistert begrüßt, sie hat das Frauenhaus gesponsert – von einem Preisgeld. Stück für Stück mehr tun gegen das rasante Bevölkerungswachstum und für mehr Bildung für Frauen. Sie sind der Schlüssel, davon ist Merkel überzeugt. Moussa sieht kleine Fortschritte: „Das Schweigen ist gebrochen“, freut sich die Frauenhausleiterin. „In unserem künftigen ‚Haus der Hoffnung‘ bekommen die Frauen ihre Würde zurück.“

Zuvor ein paar Kilometer entfernt in einer Ausbildungsmission für nigrische Grenzpolizisten: Kleine Teams demonstrieren Merkel Kontrollen und werfen sich in den heißen Sand. Die Ausbilder dort beim EUCAP Sahel Niger, einer EU-Mission, sind vor allem Franzosen, aber auch einige Deutsche.

„Staatliche Präsenz erodiert“

Sie haben Karten von Niger ausgebreitet, einer erklärt Merkel die Herausforderungen: „Die Bedrohungen kommen bislang von den Nachbarregionen, wo die staatliche Präsenz erodiert und destabilisiert ist. Vor allem hier im nördlichen Bereich des Mali“, sagt Christian Mai und zeigt auf die Landkarte. Merkel nickt. In Gao, bei den Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz in Mali war sie gerade am Tag zuvor.

Instabile Sicherheitslage bedroht Entwicklung

Das hat Merkel während ihrer Reise oft zu hören bekommen, von den Präsidenten der Sahel-Länder, von Studierenden, von Einsatzkräften: Warum stattet ihr uns nicht besser aus gegen die Terrormilizen? Die zunehmend instabile Sicherheitslage in Niger, Mali und Burkina Faso macht Entwicklungserfolge schwieriger.Wir sehen auch, dass es bei der illegalen Migration, aber vor allen Dingen auch beim Drogen- und Waffenschmuggel, wichtig ist, eine gut ausgerüstete Polizei zu haben, weil die Schmuggler auch technisch sehr gut ausgerüstet sind.“

Koordiniertes Handeln der EU gefordert

Deutschland wird aber weiter keine Waffen in den Sahel liefern, dafür aber neue Projekte unterstützen – für Gesundheitsstationen, Bildung, Wassermanagement. Allein Niger hat Merkel rund 25 Millionen Euro versprochen, die Sahel-Staaten zusammen bekommen noch mehr Geld. Dabei sei es wichtig, dass es schnell und koordiniert vorangeht in der EU.

Die Zusammenarbeit läuft nicht überall gut. Im Libyen-Konflikt, der massiv ausstrahlt auf die Sahel-Region, ist Europa uneins. Das gibt Nigers Präsident Issoufou der Kanzlerin mit auf den Heimweg: „Libyen die Quelle der Destabilisierung der Sahel-Staaten, was Terrorismus angeht, Drogen- und Waffenschmuggel. Die internationale Gemeinschaft muss aktiver werden an unserer Seite.“ Und mit einer Stimme sprechen.

Merkel hat mit ihrer Reise noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig ihr Afrika ist. Ihre Erkenntnis: Ein stabiler afrikanischer Kontinent ist auch zentral für die Sicherheit in Europa.

3 Tage, 3 Länder in Afrika – Bilanz von Merkels Afrikareise
Angela Ulrich, ARD Berlin
23:59:00 Uhr, 03.05.2019

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2019, 22:07:31