CDU gespalten: Merkel bei Regionalkonferenz in Jena

Gepostet am 03.12.2016 um 12:06 Uhr

Letzter Stimmungstest für die Kanzlerin vor dem CDU-Parteitag. Und gleichzeitig der erste im Osten. Bei der Regionalkonferenz der CDU in Jena ist Angela Merkel der Wind gewaltig ins Gesicht geblasen. Böse Anwürfe gab es, aber auch anrührende Unterstützung. Aufgeladene Stimmung, die zeigt: der Riss geht mitten durch die CDU.

Für Angela Merkel geht es in Jena gleich ans Eingemachte. Weniger draußen vor der Tür. Da stehen zwar Protestierer von der AfD und buhen die Kanzlerin aus. „Merkel for Prison“ – Merkel ins Gefängnis steht auf ihrem Transparent.

Aber es sind nur wenige von den Rechtspopulisten, mit noch dazu fünfmal so vielen Gegendemonstranten. Drinnen allerdings, im Jenaer Volkshaus, erwartet die Kanzlerin ebenfalls ein rauer Wind:

“Treten Sie zurück, als Kanzlerin und CDU-Chefin, verlassen Sie unsere Partei!”

Axel Göhring aus Jena hat sich in Rage geredet. Der Klinikums-Mitarbeiter wirft Merkel vor, die CDU auf den Hund gebracht zu haben. Atomausstieg, Eurorettung, grün-linke Politik, und noch schlimmer: schon wieder dürfen Flüchtlinge bei der Regionalkonferenz der Kanzlerin die Hand schütteln:

“Wir sind nicht in der SED, sondern in der CDU, und was Sie machen ist Personenkult, und was ich hier gerade gesehen habe war PR!”

Dafür erntet Göhring zwar vielfache Buhrufe, aber auch Applaus.

Hilfesuchende, die sich bedanken

Die Stimmung an diesem Abend in Jena ist aufgeheizt. Und gespalten. Denn eben soviel Beifall bekommt der junge Syrer Basel Chatta aus Aleppo, als er schüchtern am Mikrofon steht und sagt, er möchte der Kanzlerin die Hand geben.

Merkel ist ganz prima

Merkel steht auf, kommt vom Podium herunter, umarmt Chatta. Später auch noch drei Flüchtlinge aus Eritrea, die sich das ebenfalls wünschen. Es ist das wiederkehrende Bild aller CDU-Regionalkonferenzen – Flüchtlinge, die sich bedanken, und der Merkel-Handschlag.

Mehr aber als zuvor spaltet in Jena die Flüchtlingspolitik die CDU-Basis. Da sind die, die erbittert wettern, und das O-Wort erwähnen: Obergrenze für Flüchtlinge im GG verankern, sonst Zaun bauen, um Masseneinwanderung Einhalt zu gebieten, die abzuwehren. Aber dann, nach nur wenig Applaus, steht dieser junge Mann auf:

“1989 sind 17 Millionen DDR-Bürger in das Sozialsystem der BRD integriert worden. Und jetzt machen wir uns Wegen 890.000 Flüchtlingen in die Hose!”

Merkel lächelt kurz. Und wird wieder ernst. Denn sie will den Menschen in Jena erklären, was in ihr vorgeht, wenn sie die Bilder aus Aleppo sieht:

„Dort sind 250.00 Menschen, die keinen Arzt haben und keine Medikamente, und wir stehen machtlos davor und schauen, wie die Bomben fallen. Das ist schon bedrückend.“

Weit weg von der Basis

Aber manchmal wirkt die CDU-Vorsitzende auch weit weg von den Sorgen der Basis. Wenn sie die internationalen Konflikte erklärt. Während sich eine regionale Ortsvorsitzende eher Sorgen um die Finanzen in der Kommune macht:

“Oben ist eine Schwarze Null, die Säcke sind voll. Und uns hier unten in den Kommunen und wird der Hahn abgedreht!”

Am Ende des Abends haben zwei erboste Parteimitglieder ihren Austritt aus der CDU angekündigt. Drei neue wollen aber eintreten. Gut Bilanz, scherzt Landeschef Mike Mohring. Wenn die Angela Merkel aber eine Botschaft mitnimmt aus Jena zum CDU-Parteitag kommende Woche in Essen, dann diese: die Stimmung wird rauer.

Zuletzt aktualisiert: 16.08.2018, 19:25:19