Merkel reist mit schwerem Gepäck

Gepostet am 27.04.2018 um 05:33 Uhr

Nur zweieinhalb Stunden sind für das Gespräch Kanzlerin Merkels mit US-Präsident Trump geplant – wenig Zeit angesichts der bilateralen Probleme und des schwierigen Verhältnisses beider. Von Angela Ulrich.

Nur zweieinhalb Stunden sind für das Gespräch Kanzlerin Merkels mit US-Präsident Trump geplant – wenig Zeit angesichts der bilateralen Probleme und des schwierigen Verhältnisses beider.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Was für ein Kontrast: Pomp gab es gerade noch für Emmanuel Macron in Washington. Bei Angela Merkel wird es sehr viel ruhiger zugehen. Rein und wieder raus aus dem Weißen Haus, heißt es für die deutsche Kanzlerin. Sie kommt nicht zum Staats- sondern zum Arbeitsbesuch nur für wenige Stunden zu Donald Trump.

Ihr Ziel hat Merkel dennoch sehr bewusst gewählt: „Für mich ist es eine der ersten Reisen, die ich nach der Wiederwahl als Bundeskanzlerin mache, und es war mir ein wirkliches Bedürfnis, und ist mir ein Bedürfnis.“

Merkel mag Trump nicht schmeicheln

Für Trumps Vorgänger Barack Obama war Merkel klar Ansprechpartnerin Nummer Eins in Europa. In den vergangenen Monaten war sie von der Weltbühne verschwunden, durch die langen Koalitionsverhandlungen in Berlin.

Außerdem mag die pragmatische, eher spröde Kanzlerin dem erratischen US-Präsidenten nicht schmeicheln, wie Macron das so meisterhaft beherrscht. Merkels Verhältnis zu Trump gilt als angespannt.

Dennoch hält Thomas Kleine Brockhoff vom German Marshall Fund in Berlin die Angst, Deutschland spiele nur noch die zweite Geige, für unbegründet: „Ein starkes Frankreich ist gut für Deutschland. Eine Arbeitsteilung ist gut. Ich kann an der Aufregung darüber, dass Frau Merkel angeblich in die zweite Reihe gerückt ist, nichts Negatives finden.“

Zumal Merkel auch aus der zweiten Reihe heraus jede Menge Probleme im Gepäck hat. Sie will Trump davon abbringen, den Konflikt um Strafzölle auf Stahl und Aluminium gegen die EU weiter zu treiben. Sie will außerdem das Atomabkommen mit dem Iran retten. Hier hat Macron in den vergangenen Tagen zwar versucht, vorzuarbeiten, aber bisher ohne sichtbaren Erfolg.

Trump setzt seine Pläne um

Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin ist nicht sehr optimistisch: „Am Ende muss man sich klar machen, dass Donald Trump all das, was er im Wahlkampf angekündigt hat, dann auch tatsächlich umsetzt. Er hat angekündigt, dass er die nordamerikanische Freihandelszone neu gestalten will, und er ist dabei, das zu tun. Ich fürchte, er wird seine Ankündigung auch hinsichtlich des Iran-Deals umsetzen.“

Ansagen von beiden Seiten

Dazu kommen bilaterale Probleme zwischen Deutschland und den USA. Berlin hielt sich bei den Lufangriffen in Syrien heraus. Für Trump, der der Bundesregierung ohnehin ein viel zu knappes Verteidigungsbudget vorwirft, ist das ein Ärgernis.

Der US-Präsident meint außerdem, Deutschland ziehe die USA wirtschaftlich über den Tisch, durch den hohen Exportüberschuss. Dass Berlin eine Pipeline – Nordstream 2 – mit Russland baut, die manchen NATO-Partnern schadet, hebe die Stimmung im Weißen Haus auch nicht gerade, sagt Kleine Brockhoff vom German Marshall Fund.

„Das Ziel ist, das Schlimmste abzuwenden, und deshalb sind die Vorstellungen davon, was bei diesem Treffen zu erreichen ist, von beiden Seiten unterschiedlich. Trump will den Deutschen sagen, was sie tun sollen. Merkel will den Amerikanern sagen, was sie lassen sollen.“

Achselzucken über Trumps Beleidigungen

Der US-Präsident beleidigt die Kanzlerin zumindest nicht mehr direkt wie noch im US-Wahlkampf. Da hatte er Merkel und ihre Flüchtlingspolitik attackiert: „Ich dachte immer, Merkel wäre eine große Anführerin. Aber was sie in Deutschland getan hat, ist geisteskrank.“

Die Kanzlerin steckte das mit einem Achselzucken weg und erinnerte Trump an gemeinsame Werte. Sie hätten Differenzen, und die würden zur Sprache kommen, machte Merkel klar. Aber: Das transatlantische Bündnis sei trotz aller Meinungsverschiedenheiten ein „großer Schatz, den ich auch hegen und pflegen möchte“.

Dafür hat Merkel im Weißen Haus rund zweieinhalb Stunden Zeit.

Zuletzt aktualisiert: 20.08.2019, 02:48:55