Miteinander reden – nicht übereinander

Gepostet am 17.03.2017 um 02:56 Uhr

Bislang haben US-Präsident Trump und Kanzlerin Merkel eher übereinander geredet. Damit soll Schluss sein – am Abend brach Merkel auf in Richtung USA. Im Schlepptau mehrere deutsche Wirtschaftsbosse – in Washington geht es vor allem ums Geld. Von S. Ueberbach.

Bislang haben US-Präsident Trump und Kanzlerin Merkel eher übereinander geredet. Damit soll Schluss sein – am Abend brach Merkel auf in Richtung USA. Im Schlepptau mehrere deutsche Wirtschaftsbosse – in Washington geht es vor allem ums Geld.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist sozusagen der Antrittsbesuch 2.0 – und vielleicht klappt es ja im zweiten Anlauf. Obwohl die Kanzlerin am Montagabend von einem freundlichen Telefonat mit Donald Trump berichtet hat, sind die großen Fragezeichen geblieben: Was hat der neue US-Präsident vor? Wie denkt er über die NATO und die Europäische Union? Will er die amerikanische Wirtschaft wirklich abschotten und Produkte aus dem Ausland mit Strafzöllen künstlich teurer machen?

An der Haltung der Bundesregierung zum Thema Freihandel hat sich jedenfalls in den vergangenen Tagen nichts geändert. “Wir glauben weiterhin daran, dass Freihandel Vorteile für alle Beteiligten hat. Wir glauben an eine nichtprotektionistische Weltwirtschaftsordnung”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Deutsche Industrie erwartet jedenfalls, dass sich die Kanzlerin in Washington für einen freien Welthandel stark macht, weil davon auch die USA profitieren. Industrie-Präsident Dieter Kempf sagte dem Deutschlandfunk: “BMW exportiert aus den USA mehr Automobile im Jahr als die beiden großen amerikanischen Unternehmen General Motors und Ford zusammen. Auch das gehört zur Wahrheit.”

Überzeugungshilfe aus der Industrie

Mit den Chefs von Siemens, BMW und Schaeffler hat die Kanzlerin gleich drei Schwergewichte als Überzeugungshilfe aus der deutschen Wirtschaft im Schlepptau. Denn angeblich traut Donald Trump Industriebossen ja mehr zu als der Politik. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries empfiehlt der deutschen Seite, cool zu bleiben: “Das ist ja auch in der Vergangenheit schon so gewesen, dass Herr Trump Ankündigungen gemacht hat, die er nachher nicht umgesetzt hat. Und man hat manchmal den Eindruck, dass man auch ein paar Fakten mal nachliefern muss, für die Bewertung.”

Soll heißen: Der neue US-Präsident braucht ganz offensichtlich Nachhilfe, auch mit Blick auf die vielen Krisenherde dieser Welt. Von der Ukraine über Nordkorea, Syrien und Nordafrika bis hin zum Kampf gegen den islamistischen Terror – Angela Merkel und ihre Delegation sind darauf vorbereitet, in Washington als Ratgeber aufzutreten. Schließlich gilt Trump als außen- und sicherheitspolitischer Laie. Nach Ansicht von Sahra Wagenknecht sollte die Kanzlerin außerdem das Thema Überwachung durch die NSA zur Sprache bringen. Die Chefin der Linksfraktion sagte dem SWR: “Ich finde, es wäre tatsächlich an der Zeit, das deutlich anzusprechen und allen Druck, den man machen kann, auszuüben, damit das endlich abgestellt wird.”

Ausfälligkeiten – vergeben und vergessen

Was in Washington keine Rolle spielen soll, das sind die Ausfälle des damaligen Präsidentschafts-Kandidaten Trump. Dabei hatte der Milliardär im amerikanischen Wahlkampf die deutsche Flüchtlingspolitik und die Kanzlerin immer wieder scharf attackiert. Und ist dabei auch persönlich geworden: “Ich dachte immer, Merkel wäre eine großartige Anführerin. Aber was sie in Deutschland getan hat, ist geisteskrank”, sagte er damals.

Aus der Bundesregierung heißt es dazu, man blicke nach vorn und nicht zurück. Das hält auch die Kanzlerin für richtig: “Das direkte Gespräch ist immer viel besser, als wenn man übereinander redet. Miteinander reden statt übereinander, das wird mein Motto sein bei diesem Besuch, auf den ich mich ausdrücklich freue.”

Und dieser Besuch wird nach der Lage der Dinge diesmal wohl auch tatsächlich stattfinden können. Der Wetterbericht für Washington sagt nämlich viel Sonne voraus, und Temperaturen bis 14 Grad.

Antrittsbesuch 2.0: Merkel meets Trump
S. Ueberbach, ARD Berlin
15:34:00 Uhr, 16.03.2017

Zuletzt aktualisiert: 23.05.2017, 03:09:06