Merkel verspricht Niger mehr Hilfe

Gepostet am 11.10.2016 um 04:18 Uhr

Nur einige Stunden verweilte Kanzlerin Merkel in Niger, bevor sie nach Äthiopien weiterflog. Der Staat im Westen des Kontinents ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Einige Gestrandete traf die Kanzlerin. Angela Ulrich war dabei.

Nur einige Stunden verweilte Kanzlerin Merkel in Niger, bevor sie nach Äthiopien weiterflog. Der Staat im Westen des Kontinents ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Einige Gestrandete traf die Kanzlerin.

Von Angela Ulrich, ARD Berlin, zzt. in Niamey

Die elfjährige Leyla ist sehr aufgeregt. Gleich kommt Angela Merkel, und ihr Lied sitzt noch nicht ganz: “Willkommen in Niger. Willkommen in Niamey, Frau Kanzlerin Angela Merkel…”

Leyla und ihre Mitschüler empfangen die Kanzlerin in ihrer Schule in Niamey. Der Schulhof ist aus staubigem roten Sand, aber die Klassenräume sind immerhin keine Hütten mehr, sondern gelb-verputzte Häuser. Dass von den 700 Schulkindern hier 500 Mädchen sind, findet Schulinspektorin Nana Moussa einen Riesenfortschritt: “Heute zeigen wir ihnen ein Vorbild. Dass ein Mädchen, das zur Schule geht, sogar Kanzlerin werden kann! Das wird sie ermuntern. Mädchen sind eh fleißiger als Jungs.”

Die Kanzlerin zwängt sich in eine enge Schulbank und hört beim Rollenspiel zu, bei dem die Kinder französisch und Biologie lernen. Bildung, damit Mädchen möglichst lange zur Schule gehen und nicht früh verheiratet werden und Kinder bekommen, das ist ein Anliegen der Kanzlerin in Niger.

Das Land ist bitterarm und hat die höchste Geburtenrate weltweit. “Dagegen werden wir angehen”, verspricht Nigers Präsident Mahamadou Issoufou: “Wir haben ehrgeizige Ziele, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen. Deutschland wird uns helfen!”

Niger als Knotenpunkt für Flüchtlinge

In Niger kann Merkel gleich einen weiteren Grund für ihre Reise nach Afrika erleben: die Flüchtlingsbewegungen. Aus Niger selbst kommen zwar kaum Menschen nach Deutschland und Europa. Das Land ist zu arm.

Aber Niger ist zum Knotenpunkt und Transitland für Flüchtlinge aus anderen Ländern Westafrikas geworden. Manche stranden auf ihrem Weg gen Norden und kommen nach Niger zurück. So wie Otis aus Liberia. Der Mann im blauen Shirt sitzt im Schatten eines kleinen Auffangzentrums für Flüchtlinge. Er erzählt: “Wir sind hier gelandet. Schau mal dort, das ist mein Baby. Ich habe nichts mehr, niemanden zuhause! Dahin kann ich nur zurück mit Hilfe, mit Garantien.”

Angela Merkel hört sich die Schicksale von Otis und anderen an. Knapp 50 meist junge Männer sind hier. Aus dem Senegal, Gambia, Liberia, der Elfenbeinküste.

Legale Alternativen für Schlepper?

Die Kanzlerin spricht auch mit Helfern, wie Marine aus Frankreich. “Wir unterstützen die Menschen hier medizinisch und psychologisch. Manche bekommen eine ganz einfache Art Ausbildung. Die meisten bleiben nur ein paar Tage, bis ihre Papiere in Ordnung sind. Sie haben meist keine, wenn sie ankommen. Dann bekommen sie Tickets in ihre Heimatländer”, berichtet die Französin.

Aber ob sie da je ankommen? Otis winkt ab. Er will nicht zurück nach Liberia. “Keine Zukunft da”, sagt er.

Deutschland wird der Internationalen Migrationsorganisation, die das Zentrum in Niamey betreibt, pro Jahr künftig zehn bis 15 Millionen Euro geben. Das ist eine der Zusagen der Kanzlerin auf ihrer Reise, im Kampf gegen das Schlepper-Unwesen: “Wir werden Arbeitsgelegenheiten schaffen für die, die heute ihre Einkünfte auch aus der illegalen Migration bekommen. Die müssen ja eine Kompensation dafür bekommen, einen Ersatz. Und deshalb greifen Sicherheit und Entwicklung ineinander.”

Erschöpft und inspiriert

Merkel wirkt erschöpft und gleichzeitig inspiriert, als ihr Flugzeug aus Niger abhebt. Sie nimmt Erfahrungen mit – häufig bittere Erfahrungen. Und das nächste Problemland wartet: Äthiopien. Eigentlich der Stabilitätsanker in Ostafrika, wenn man auf die Nachbarn schaut: Eritrea, Somalia, Sudan. Überall gibt es Hunger und Flüchtlingselend.

Aber jetzt herrscht sogar in Äthiopien Notstand, weil die Regierung hart gegen Volksgruppen vorgeht. In Addis Abeba will Merkel ein neues Gebäude der Afrikanischen Union einweihen, das Deutschland bezahlt hat. Und nicht schweigen zu Menschenrechtsverletzungen. Eine Reise voller Herausforderungen.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2018, 20:43:58